Kunden-Reisebericht: Französisch-Polynesien Februar 2017 // Teil 3


Teil 3: Ua Pou, Ua Huka (Marquesas) & Fatu Hiva

Ua Pou

 Am Anfang war Oatea, Vater Himmel und Atanua, Mutter Erde. Sie waren zufriedenes Paar.Und Atanua sagte eines Tages: „Oatea, bau uns ein Haus für unsere zukünftigen Kinder, die Menschen.“ Oatea antwortete nicht, aber er dachte nach: „Ich weiß nicht, wie man ein Haus baut, aber ich werde mein göttliches Mana nutzen und die Götter um Hilfe bitten.“

Am nächsten Tag antwortete Oatea: „Die Götter haben mir den Weg gewiesen. Heute Nacht werde ich beginnen es zu bauen.“

Atanua begann ein Lied zu singen. Hinaus in das dunkle, stille Nichts: „Ake oe e aka Poto…“

 Tuaka in der Mitte des Ozeans war der gewählte Platz für das Haus. Und als erstes entstand Ua Pou, „die zwei Pfeiler“. Die zwei Grundpfeiler der Konstruktion.

Dann erschuf er Hiva Oa, den „Dachbalken“ und Nuku Hiva, die „Dachlattung“, Fatu Hiva, „Neun Blätterrreihen bedecken das Dach“, Motu Hane ist der frühe Vogel, der den Tag ankündigt und Tatuata der „erste Sonnenstrahl am Horizont“, Ua Huka  die „Grube mit dem Bauschutt“.

 Das Werk war vollbracht und Atanua fing erneut an zu singen: „Ei, ei, ei, ua ao ua ao.“ Es entsteht Eiao. die letzte der Inseln. Die Sonne steigt auf und erleuchtet das Land!

Ua Pou erscheint am Horizont

Ua Pou erscheint am Horizont

Diese Legende verdeutlicht die Vorstellungskraft der hier lebenden Menschen, weit weg von ihresgleichen. Sicher entspricht sie nicht der tatsächlichen Reihenfolge der Genese des Archipels, aber der Fantasie der Erdbewohner sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Einige glauben an UFOs, andere an Jungfrauen im Paradies, also lassen wir doch auch die Marquesaner bei ihrer Genesis,  denn interessant ist sie allemal:-[.

 Die „erste“ Insel der Marquesas liegt südlich von Nuku Hiva und beeindruckt schon von Weitem mit ihren Zuckerhüten, die im Mont Oave die höchste Erhebung der Inselgruppe haben (1.232 m). Mit 105 km2 und ca. 2.600 Einwohnern belegt sie jeweils Platz 3 unter den „Mitgliedern“ der Marquesas, dafür jedoch Platz 1 was die Bevölkerungsdichte anbetrifft (20 EW/km2).

Aranui in der Bucht von Ua Pou

Aranui in der Bucht von Ua Pou

 Ua Pou hat auch andere Besonderheiten: Hier soll es den einzigen Ort weltweit geben, wo bearbeiteter Trachyt – ein vulkanisches Gestein – durch Befeuchten natürliche Blumengebilde aufweisen soll. Dazu sollen die Holzschnitzer der Insel weit über deren Grenzen bekannt sein.

Die Missionierung, die in diesen Teilen des Pazifiks größtenteils im 19. Jahrthundert stattfand, musste auf Ua Pou bis nach dem Tod des mächtigsten Stammesführer der Gegend, Heato, warten , da ihm nachgesagt wurde, er bevorzuge untätoviertes Menschenfleisch, was sich natürlich schnell herumsprach. Nichtmal die Missionare wollten auf dem Palmenblatt als gegrillte Delikatesse landen…;-)

 Schon kurz nach dem Verlassen von Nuku Hiva erschien das bei Weitem imposanteste Panorama nordöstlich von Tahiti. Die tatsächlich mehr als beeindruckenden Gipfel des zentralen Gebirgsmassivs von Ua Pou waren einem Wolkenspiel unterstellt, das zwar schön zu verfolgen war, jedoch immer wieder ein gutes Foto verhinderte, sodass die Quälerei eine ganze Weile dauerte, ohne vom erwünschten Erfolg gekrönt zu sein.

Zukünftiger Stammeshäuptling

Zukünftiger Stammeshäuptling

Der Landgang führte über den Hauptplatz von Hakahau, wo freilich so Manches zu ergattern war – alles logischerweise begleitet von den zarten Klängen der Ukulele. Danach erfolgte die bestimmt beste folkloristische Darbietung während der ganzen Reise, die man so schnell nicht vergessen kann. Da schienen wirklich Profis am Werk zu sein!

 

Nach einem saftigen Mittagessen mit einheimischen Spezialitäten – sehr scharf gewürzt (lecker, lecker!:-P:-P) – ging es anschließend in der gefühlsmäßig heißesten Sonne der ganzen Reise zurück zum Ausgangspunkt. Man hätte sich – zeitlich gesehen – noch ein kleines Bad am kleinen Strand von Hakahau gönnen können, aber viele zogen die etwas kältere Dusche auf dem Schiff vor.

 Beim Verlassen der Insel blickte ich nochmals in Richtung der majestätischen Gipfel, denen Jaques Brel mit seinem Chanson „Cathedrale“ ein kleines Denkmal für die Ewigkeit gesetzt hat. An dieser einmaligen Naturkulisse konnte man sich echt nie satt sehen! Poutetanui und Puamaka – so heißen die zwei höchsten Säulen, Namen von zwei Kriegern, denen bestimmt so mancher Schenkel des homo sapiens durch die Beißer geglitten ist;-):-X – blickten stolz herab, als wollten sie sich verabschieden.

Ein Tag voller Neuigkeiten und einigen außerordentlichen Erlebnissen! Passt, passt, passt!

Ua Huka

Von drei zur Nordgruppe der Marquesas gehörenden Inseln ist Ua Huka das Stiefkind. Zum Einen ist die Einwohnerzahl sehr gering – ca. 600 -, zum Anderen ist das Klima viel trockener als anderswo, weil es hier kaum höhere Gipfel gibt – Mont Hitikau 857 m – und so können die Wolken an den Hängen kaum kondensieren. Als Folge erstrecken sich auf der ca. 84 km2 großen Insel ausgedehnte Hochebenen mit savannenähnlichen Vegetationsformen, bloß in höheren Lagen und in den Tälern ist die Pflanzenwelt üppiger.

Bereit zum Abtransport

Ua Huka hat die Form eines Igels. Bewohnt ist bloß die Südküste mit drei kleinen Ortschaften, von denen nur Vaipaee über 200 Einwohner zählt. Dort ist auch die Anlegestelle für die Aranui. Andere Schiffe legen hier kaum an. Dies war auch früher so, jedoch aus einem anderen Grund: Die Anlegestelle ist vom Ozean her nicht zu sehen, was freilich auch seine Vorteile hatte…;-)

Brotbaum

Brotbaum

Mango

Wir kamen hier an einem verregneten Morgen an und wurden festlich empfangen, indem jeder Gast eine „Perlenkette“:-) aus lokalen Früchten erhielt. Dann ging es mit der schon bekannten Kolonne zum Botanischen Garten, ein Schmuckstück der Marquesas, das Werk eines einzigen Menschen, Leon Litchie, der die einheimischen Pflanzen für jedermann/frau… bekannt machen wollte. Dazu reiste er noch in viele andere tropische Regionen und sammelte über 100 Obstarten, die man auch bei Regen…:-[ bewundern kann. Leider zeigt der heutige Bürgermeister wenig Interesse an diesem außergewöhnlichen Garten, weil er – murmelt man – sein Hauptmerk anderen „Blüten“ widmet…

In Hane erwartete uns eine lokale Band, die sogar die mehr als fleißigen Musikgruppen der anderen Inseln übertraf. Stunden lang hörten die Burschen erst dan auf, wenn sie was trinken mussten. Ein Musikmarathon halt!

Empfang in Hane

Empfang in Hane


In diesem kleinen, aber recht schmucken Ort wurde uns ein sehr leckeres Mittagessen aufgetischt. Man hatte den Eindruck, dass (fast) alle Bewohner des kleinen Ortes mithalfen. Beeindruckend! Die Hingabe, mit der sie versuchten unsere Wünsche zu erfüllen, war exemplarisch:-P!

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes auf der etwas anderen Insel wurde ein neues Kulturzentrum besichtigt, dessen Hauptattraktionen natürlich die Tikis zählten. Im Unterschied zu den Gottheiten der Alten Griechen oder Römer scheint man hier schon immer eine andere Geschmacksrichtung hinsichtlich Schönheit gehabt zu haben…:-[ Sei es drum.


Zu den Kuriositäten von Ua Huka zählt die älteste und gleichzeitig kürzeste Landepiste von allen Flughäfen des Archipels. Außerdem ist sie wellenförmig (!!!) angelegt, sodass sich nur zwei Piloten zutrauen sie anzufliegen. Sind sie erkrankt oder fehlen aus anderen Gründen, finden keine Flüge statt…

Die Küstengewässer nach einem Platzregen

Die Küstengewässer nach einem Platzregen

Ein sehr angenehmer Tag – wenn auch anfangs mit Regen -, der auch zu den kaum zu vergessenden Erinnerungen zählt. Vielen Dank an alle, die sich für unser Wohlergehen eingesetzt haben!

Tag auf See

An diesem Tag hat sich bloß der Sonnenstand verändert. Deshalb sollen Teile davon gezeigt werden. Dazu gab es auf dem Schiff noch eine Darbietung der Bekleidungsmöglichkeiten mit einfachen Tüchern.

Ein langsamer Abschied

Es wird oft vergessen, dass die Aranui eigentlich als Frachtschiff gedacht war. Daran hat sich eigentlich bis heute nicht viel geändert, auch wenn – zugegebenermaßen – seine touristische Funktion bedeutend zugenommen hat. So sollte es auch kaum wundern, dass das Schiff nach der Kreuzfahrt durch das Labyrinth der Marquesas vor seiner Abfahrt in Richtung Tuamotu-Archipel die anscheinend frachtmäßig bedeutendsten Inseln Nuku Hiva und Ua Pou nochmals ansteuerte. Wir hatten natürlich in dieser Zeit Freigang, der auf unterschiedliche Weisen begangen wurde.

Buchtpanorama

Buchtpanorama

Offiziell wurde auf Nuku Hiva eine Busfahrt im 20-Minuten-Takt hin und zurück organisiert, die zu einem kleinen Museum am Ortsrand führte. Die schon in die Jahre gekommene Eigentümerin hatte es vor einigen Jahren in liebevoller und aufopferungsreicher Arbeit gegründet. Es ist eine Sammlung lokaler und regionaler Gegenstände, die z.T. auch für den Verkauf bestimmt sind. Mich zog es danach den Berg hinauf, um noch einige Bilder zu schießen.

Vierbeinige Urwaldtouristen als Verkehrshindernis

Vierbeinige Urwaldtouristen als Verkehrshindernis

Am frühen Nachmittag wurde dann für einige Stunden Ua Pou angesteuert. Hier hatten wir vorgesorgt – zwei Bekannte und ich -, indem wir uns auf eine kleine Fahrt ins Inselinnere wagten – von einer Rundreise kann in diesem Fall wohl kaum die Rede sein. Eine 45-jährige Oma 😉 saß am Steuer und führte uns anfangs bis zur Wasserscheide. Die andere Seite schien abrupter zu sein. Dann ging es in den tropischen Regenwald, wo wir u.a. einen Eukalyptus mit mehrfarbiger Rinde bestaunen konnten.

Oma mit 45 und Opa paar Jahre älter

Bunter Eukalyptus

Bunter Eukalyptus

Den zweiten Teil bildete die Fahrt in Richtung Flughafen, den wir allerdings nicht zu Gesicht bekamen, weil die Fahrt zeitlich von der Aranui abhing. Auf dieser Strecke konnte ein Panorama von der Bucht von Hakatao sowie des gleichnamigen Ortes erhascht werden. Alles in allem lohnenswert.

Die Bucht von Taiohae bei Sonnenaufgang

Die Bucht von Taiohae bei Sonnenaufgang


Im Nachhinein habe ich bedauert, dass wir etwas Ähnliches nicht auch auf Nuku Hiva unternommen haben. Da bot sich z.B. der grandiose Wasserfall Vaipo an, der mit über 350 m der höchste seiner Art in ganz Polynesien sein soll und auch ein erfrischendes Bad erlauben soll. Wäre vielleicht des Guten zu viel gewesen…

Kurz vor Sonnenuntergang verließen wir die Marquesas, das Hauptziel unserer Reise, in Richtung Rangiroa.

Ein Tag, an dem das Vorgenommene zur Gänze erfüllt wurde, der aber auch besser gestaltet hätte können.

LESEN SIE DEN VIERTEN TEIL DES REISEBERICHTS HIER!

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