Sirocco – Einer der letzten Kakapos der Welt

In Neuseeland gibt es einen kleinen, grünen Vogel, dessen Name jedes Kind kennt: Sirocco. Sirocco ist ein Kakapo, ein flugunfähiger nachtaktiver Papagei, und einer der letzten seiner Art. Es gibt nur noch 204 Exemplare der Kakapos, die damit eine der seltensten Vogelarten der Welt sind. Sirocco schlüpfte am 23. März 1997 aus dem Ei und wurde von Wildhütern des Department of Conservation per Hand aufgezogen, da er an einer schweren Atemwegserkrankung litt, die viele Papageien befällt. Die Handaufzucht und die damit verbundene Gewöhnung an Menschen hatte jedoch zur Folge, dass Sirocco sich nicht an seine Artgenossen gewöhnte und sich bis heute nie fortgepflanzt hat. Dennoch, oder gerade deswegen, fungiert Sirocco heute als einer der wichtigsten Symbolfiguren für seine Art, gewissermaßen als eine Art Maskottchen.

Der Kakapo – ein ganz besonderes Tier

Der Kakapo ist in der Tat ein merkwürdiges Tier: Er ist nicht nur der einzige nachtaktive, flugunfähige Papagei der Welt, sondern auch ausgesprochen fortpflanzungsfaul: Kakapo Weibchen brüten nur alle drei bis vier Jahre und auch dann schlüpfen längst nicht alle Küken gesund aus dem Ei. Dieser Umstand und seine Flugunfähigkeit und Wehrlosigkeit gegenüber Fressfeinden haben die putzig aussehenden Kakapos bis kurz vor das Aussterben gebracht.
Seit vielen Jahren arbeitet daher ein Team von Wissenschaftlern, Wildhütern und Freiwilligen in Neuseeland daran, die Kakapos vor dem Aussterben zu bewahren: Auf Codfish Island und auf Anchor Island vor der Küste Neuseelands wurden Aufzuchtstationen und Schutzzonen eingerichtet, in denen Kakapos professionell gezüchtet werden, mit dem langfristigen Ziel, sie eines Tages wieder auszuwildern.

Kakapo-Wissen im Überblick

Name: Kakapo (Strigops habroptilus)
Tierart: Eulenpapageien
Ordnung: Papageien
Gewicht: bis zu 5 kg
Größe: bis zu 50 cm
Lebenserwartung: bis zu 60 Jahre
Herkunft: Neuseeland
Lebensraum: Derzeit ausschließlich Anchor Island, Codfish Island
Nahrung: Pflanzen, Insekten, Pollen, Samen, Früchte, Wirbellose
Feinde: Katzen, Hermeline

Bedroht und sorgsam behütet – wie Kakapos vor dem Aussterben bewahrt werden

Eine vom Aussterben bedrohte Art zu retten ist jedoch harte Arbeit, doch die Forscherinnen und Forscher, die in der Aufzuchtstation von Codfish Island arbeiten, tun alles in ihrer Macht Stehende, die Kakapos zu retten. Mit Transpondern und modernster Technik verfolgen sie jede Bewegung ihrer Schützlinge, zeichnen auf, wann und wo sie sich fortpflanzen und brüten, wohin gehen, was sie fressen und welche Strecken sie dabei zurücklegen. Auf diese Art und Weise konnten sie das Verhalten der Kakapos genauestens studieren. Ihre Brut wird sorgsam dokumentiert und mit allen Mitteln am Leben gehalten – die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennen jeden Kakapo persönlich und mit Namen!

Ihre harte Arbeit zahlt sich aus: Auf 204 Exemplare ist der Kakapo-Bestand inzwischen angewachsen, Anfang der 90er Jahre betrug die Zahl noch knapp 50.
Dabei geht es längst nicht nur darum, die Vögel zur Fortpflanzung zu bewegen und die Aufzucht zu sichern, es geht auch darum, die Bevölkerung zum Schutz dieser seltenen Tiere zu animieren und zu sensibilisieren, denn nur wenn die Menschen Neuseelands dabei helfen, die Kakapos zu schützen, können sie eines Tages auch wieder auf dem neuseeländischen Festland angesiedelt werden.

Das Marketing hierfür übernimmt der Kakapo Sirocco, der bei den Neuseeländern als der sympathischste Kakapo überhaupt gilt. Sirocco hat eigene Social Media Kanäle und eine eigene Website, er ist durch seine Zutraulichkeit der perfekte Markenbotschafter für seine gesamte Art.

Dabei ist die Geschichte von Sirocco durchaus dramatisch: Im Jahr 2016 ging der Transponder, mit dem Sirocco ausgestattet war, kaputt und so konnte er für ganze zwei Jahre nicht mehr aufgespürt werden. Man ging längst davon aus, dass er tot sei, aber dann konnte Sirocco im Februar 2018 bei einer großangelegten Suche tatsächlich wieder aufgespürt werden. Nun ist er zum Glück wieder in Sicherheit und kann seiner „Arbeit“ als Sprachrohr für die Kakapos weiter nachkommen.


Fotos: Kakapo Fütterung by Kimberley Collins CC BY 2.0 via Wikipedia, Kakapo Portait via Shutterstock all rights reserved.

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