Great Walks: Milford Track


Mit seinen 53,5 Kilometern Länge zählt auch der Milford Track zu den Great Walks Neuseelands. Und auch im übertragenen Sinne ist er ein großartiger Track: Er durchzieht weite Teile des Fiordland Nationalparks, des 12.500 Quadratmetern größten Parks des Pazifikstaats, und führt Wanderer durch die spektakulären Naturkulissen eisgeformter Täler, durch gemäßigten Regenwald und über Bergpässe, entlang wild fließender Gebirgsströme und opulenter Wasserfälle wie etwa den 580 Meter hohen Sutherland Falls im Südwesten der neuseeländischen Südinsel. Dabei bietet auch er die für die Great Walks so typisch gute Infrastruktur: klare Wegmarkierungen, gut ausgebaute Pfade und ein Netzwerk von soliden und verhältnismäßig komfortablen Hütten – und das, ohne dabei die Atmosphäre von Abenteuerlichkeit auch nur im Ansatz einzuschränken.

Wasserfall_Milford_Track

Wenn es eines gibt, das den Milford Track besonders auszeichnet, dann ist es sein Wasserreichtum in jedweder Form. Neben den wilden Strömen und teils gigantischen Wasserfällen, wie man sie fernsehreifer nicht finden kann, ist dieser Track vor allem bekannt dafür, dass es sehr viel regnet und es eigentlich keinem Wanderer gelingt, ihn vollkommen trocken zu überstehen. Grund zu verzagen oder sich gar gegen diesen Weg zu entscheiden ist das allerdings nicht im Geringsten, obwohl derartige Wetter- und Witterungsbedingungen im ersten Moment verständlicherweise abschreckend wirken mögen.

So sorgt das allumfassende Nass nämlich nicht nur für einen guten Ausgleich bei schweißtreibenden Anstiegen und des gut ausgestatteten Wanderers Regenzeug endlich einmal zum wohlverdienten Einsatz zu bringen, sondern vor allem für einmalige Flora und Fauna: Sattgrün dahinrollende Wälder, moosbehangene Steilwände und über 700 nur in dieser immergrünen Natur vorkommende Pflanzenarten, unter denen wohl vor allem teils mehr als 800 Jahre alten Scheinbuchen, können auf dem Milford Track ebenso erlebt werden wie die an dieser stelle relativ dichte Saumschnabelentenpopulation.

Whio

Whio aka Saumschnabelente

Für Vogelkundler und gar Hobbyornithologen mag eine Begegnung mit diesen zu den widerstandfähigsten und zu den seltensten Entenarten gehörenden Whios – ein Begriff der Lautmalerei, in dem der Ruf der Männchen anklingt – eine seltene Freude sein: Wem es gelingt, einen Whio nicht nur zu hören sondern auch zu sehen, der wird auf bewundernswert fähige Schwimmer treffen, die selbst die reißendsten Bergströme spielerisch bewältigen.

Vier-tägige Wanderung auch für Einsteiger

Anders als bei den meisten der Great Tracks, ist der Milford Track, was vor allem für die Hauptsaison gilt, lediglich in eine einzige Richtung begehbar, und zwar von Glade Wharf am Kopf von Lake Te Anau, das 27 Kilometer von Te Anau entfernt liegt, nach Sandfly Point. Wie es sich für diesen wasserreichen Wanderweg gehört, muss dabei sowohl zum Erreichen des Ausgangspunkts als auch zum Verlassen von Sandfly Point ein Boot genommen werden.

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Der Weg, der zwar aufregend, aber im Großen und Ganzen auch für Einsteiger geeignet ist und es den Wanderern zu weiten Teilen gar ermöglicht nebeneinander zu laufen, ist darauf angelegt, in 4 Tagen begangen zu werden. Auf Grund der sehr hohen Auslastung, gerade während der Sommersaison, ist es für den Milford Track verpflichtend, Schlafplätze in den Hütten im Vorfeld zu reservieren. Übrigens kosten Übernachtungen jeweils $54 für Erwachsene und sind für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren komplett umsonst. Es empfiehlt sich dabei dringend, die Reise frühzeitig zu planen und die Reservierungen möglichst frühzeitig vorzunehmen, da die Platzzahl trotz und wegen des starken Andrangs an Wanderern deutlich begrenzt ist. Der Milford Track ist dabei übrigens defintiv nicht geeignet für Menschen mit Höhenangst, da er nicht nur gelegentlich recht nah an abfallenden Steilwänden entlang führt, sondern vor allem über eine Reihe von schmalen Hängebrücken, um Taleinschnitte und vor allem wilde Wasserläufe zu überqueren.

Milford_track

Auch wenn sich der Track tendenziell bestens für Familienwanderungen eignet, sollte ein deutlich offenes Auge auf die Wetterbedingungen gehalten werden, da es entlang der Strecke immer wieder zu Überflutungen und Erdrutschen kommen kann. Zudem weist das Department of Conservation explizit darauf hin, dass es die Wanderung erst für Kinder über 10 Jahren empfiehlt, was vor allem mit dem unstetigen Klima in den Schluchten und Tälern des Milford Tracks zu tun hat.

Bilder: Whio by Karora, Wasserfall bei Whute, Fjordland by Uploader, Wanderer by Harv4/ alle CC-Lizenz Wikipedia.

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  1. Avatar

    So viel natur in einem Post – wunderschön.

    Grüße aus Kaltern

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