Great Walks: Whanganui Journey


Whanganui_River

Dieser Great Walk im Südwesten der neuseeländischen Nordinsel hat – das sei vorweggeschickt – zugegebenermaßen nur sehr wenig mit Wandern zu tun. Er trägt allerdings diesen Namen, da er im Rahmen des Great Walks Programms verwaltet wird. Eine kleine Abweichung jedoch gibt es: Nicht vom typischen Track, sondern von Journey – also Reise – ist die Rede. Was es damit auf sich hat, mögen die Neuseelandkenner unter Ihnen bereits erahnt haben: Whanganui, das ist der mit 290 Kilometern insgesamt drittlängste und gleichzeitig längste eingeschränkt schiffbare Fluss des Pazifikstaats.

Eingeschränkt will heißen, dass es entlang des Hauptarms eine Unzahl an Untiefen und mehr als 200 Stromschnellen gibt, die es gekonnt zu um- und durchschiffen gilt. Die Maori meisterten dies früh und nutzen den Fluss nicht nur, um die an seinen Ufern liegenden kleinen Dörfer zu erreichen, sondern als einen auch im größeren Kontext bedeutenden Kommunikations- und Transportweg. An diese Tradition schloss Alexander Hatrick an, als er 1892 begann, ein Dampfschiff auf dem Whanganui zu betreiben, das ihn Jahrzehnte lang befuhr, bevor in einiger Entfernung zum Flussverlauf eine Eisenbahnstrecke eröffnet wurde.

Heute sind gut 145 Kilometer des Whanganui, etwas mehr als die Hälfte also, als Great Walk ausgeschrieben (weitere 89 Kilometer können nach Ende der Whanganui Journey auf eigene Faust und mit ausreichend Erfahrung weiter befahren werden) und laden zu einer der herrlichsten Kanu- und Kajakstrecken des Landes ein: Die Fahrt führt durch atemberaubende Landschaften, üppige Wälder, steile Canyons und schlichtweg weit weg von westlicher Zivilisation ins Herz der Natur.

Die Whanganui Journey ist der ideale Great Walk für alle, die Freude am Kanu- oder Kajakfahren haben und sich vorstellen können, fünf Tage (Es werden sieben Tage, falls Sie sich für die 89 zusätzlichen Kilometer entscheiden. Allerdings können Sie die Journey auch auf drei Tage verkürzen) auf dem Wasser und die Nächte in eher rudimentären Unterkünften zu verbringen, die Freude daran haben, in und mit der Natur des Whanganui National Parks zu sein und ein wichtiges Stück der Kulturgeschichte der Maori aktiv zu erleben. Dabei ist es keine Voraussetzung, dass man Wasserprofi sein muss, wobei ein gewisses Maß an Erfahrung sicherlich wünschenswert ist.

Die Strecke: 5 Etappen

Die Reise beginnt am Cherry Grove gleich außerhalb der Kleinstadt Taumaruni, wo die Kajaks und Kanus leicht zu Wasser gelassen werden können. Der erste Abschnitt der Strecke führt schnell durch dichten Wald, bevor Sie bemerken werden, wie sich die Landschaft zur Linken und Rechten langsam zu heben beginnt. Nach 36 Kilometer erreichen Sie die Poukira Campsite, wo sie zum Gesang der örtlichen Vogelbevölkerung einschlafen können.

Whanganui_River1_Kanu

Am nächsten Tag werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach die ein oder andere Maori-Fruchttaube beobachten können, wie sie grazil und tumb zugleich die Ufer des Whanganui nach Beeren absucht und dabei die ein oder andere Bruchlandung hinlegen wird. Die Nacht können Sie nach 32 Kilometern auf der idyllischen Mangapapa Campsite verbringen.

Von dort aus brechen Sie dann zum insgesamt längsten Streckenabschnitt von 37 Kilometern auf, der Sie erneut an wunderbar dichtem Grün und den Wundern der neuseeländischen Flora und Fauna vorbeiziehen lässt. Wohlverdient können Sie die dritte Nacht nun in einer Hütte verbringen.

Tag 4 bringt 30 Kilometer Fahrt und abends die ausladende Tieke Kainga Hut, in der Sie gemeinschaftlich kochen und die heranrollende Dunkelheit genießen können.

Der nächste Morgen bringt vor allem: Zeit. Sie können entspannt frühstücken und dann langsam Richtung Pipiriki, dem lediglich 20 Kilometer entfernten Zielpunkt der Whanganui Journey, aufbrechen.

Achtung: Auch für die Whanganui Journey ist eine vorherige Buchung über die Website des Department of Conservation notwendig.

Fotos: Whanganui River Aerial Photo by Joerg Mueller; CC BY 2.5 & Whanganui River001 by Jessica Ebrey; CC BY 2.0

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