Wer ist eigentlich … Jean Batten?


Sie war eine eigensinnige, intelligente und vor allem kühne Frau, wofür sie in den 30er Jahren in ihrem Heimatland Neuseeland gefeiert und verehrt wurde: Jean Batten, The Garbo oft the Skies. Als Pilotin stellte sie zahlreiche Strecken- und Dauerrekorde auf. Die überaus wagemutigen Flüge einer Frau alleine im Cockpit sorgten jahrelang für Schlagzeilen. Doch so spektakulär Jean Battens Leben war, so einsam und unbemerkt ist sie schließlich verstorben. Eine aufregende und am Ende auch traurige Geschichte.

Jean Batten wurde am 15. September 1909 in Rotorua auf der Nordinsel Neuseelands geboren. Eigentlich hieß sie Jane, nach ihrer Großmutter, doch daraus wurde schnell Jean. Das kleine Mädchen wuchs mit ihren drei Brüdern und Eltern wohlbehütet auf, ihr musikalisches Talent wurde gefördert und nach einem Umzug nach Auckland besuchte Jean erfolgreich die Schule. Im Ersten Weltkrieg wurde Jeans Vater in Europa stationiert. Seine Briefe und Karten sollen bei der kleinen Jean großes Fernweh ausgelöst haben, das sie Zeit ihres Lebens nicht mehr losließ. Auch Berichte über erste Flugreisen von Australien nach England faszinierten das Mädchen.

Nachdem Jean das Ladies College in Auckland mit Bestnoten abgeschlossen hatte, sah es kurz so aus, als werde sie Konzertpianistin. Doch dann gelangen im Jahr 1928 zwei Piloten die ersten Rekordflüge von England nach Australien sowie von Amerika nach Australien und damit stand für Jean fest: Sie wollte auch fliegen.

Jeans Rekord-Flugzeug, die Percival Gull Six

Gegen den Willen ihres Vaters verkaufte Jean ihr Klavier, um davon Flugstunden bezahlen zu können. Schließlich überzeugte sie im Jahr 1930 ihre Mutter, mit ihr nach England zu gehen, wo sie im „London Aeroplane Club“ tatsächlich das Fliegen erlernte. Mit 21 Jahren hatte sie ihren Schein als Privatpilotin. Den nötigen Folgeschein für Verkehrsflugzeuge finanzierte die hochambitionierte junge Frau mit Hilfe eines Liebhabers, der ihr seine gesamten Ersparnisse überließ in der Hoffnung, sie werde ihn heiraten. Nach bestandener Prüfung sah er seine Verlobte nie wieder. Und er sollte nicht der Einzige sein, dem es mit Jean Batten so erging.

Statue für Jean Batten am Flughafen in Auckland

Mit dem Geld eines Freundes kaufte Jean ihr erstes Flugzeug, eine „De Havilland Gipsy Moth DH-60“. Im April 1933 startete sie damit ihren ersten Versuch, von England nach Australien zu fliegen. Sie scheiterte, zwar unverletzt aber nun wieder mittellos. Auch der zweite Versuch mit einem neuen Flugzeug, finanziert von einem weiteren, reichen Sponsor-Freund ging schief. Doch beim dritten Anlauf schaffte sie es.

Am 13. Mai 1934 erreichte Jean Batten nach einer Flugzeit von 14 Tagen, 22 Stunden und 30 Minuten Port Darwin – ein neuer Rekord. Von nun an folgten Bestzeit auf Bestzeit sowie diverse Langstreckenrekorde, u.a. ein Flug von England nach Brasilien und von England nach Neuseeland. Als Frau – noch dazu eine ziemlich gut aussehende – mit einem derartigen Können und noch mehr Unerschrockenheit wurde die „Garbo des Himmels“ schnell zum Star ihres Heimatlandes. Sie wurde förmlich mit Auszeichnungen und Ehrungen überschüttet. Bis der Zweite Weltkrieg ihrem Traum ein jähes Ende bereitete.

Jean Battens Flugzeug wurde in England für den Kriegseinsatz beschlagnahmt, sie selbst arbeitete zweitweise in einer Munitionsfabrik in Dorset oder sammelte Geld für Kriegsgerät. Ihrer Karriere als Pilotin war beendet.

Nach Ende des Weltkrieges lebte Jean Batten mit ihrer Mutter in diversen Ländern, jedoch nicht mehr in Neuseeland. Nach dem Tod der geliebten Mama 1966 besuchte Jean ihr Heimatland ein letztes Mal im Jahr 1970, um sich über Umwege schließlich 1982 auf der Insel Mallorca niederzulassen. Nur wenige Wochen nach ihre Ankunft starb sie am 22. November 1982 völlig unbemerkt und allein an den Folgen eines Hundebisses. Da sie auf Mallorca unbekannt war, wurde sie unter ihrem Mittelnamen Gardner in einem Armengrab beerdigt. Erst im September 1987 erfuhr die Öffentlichkeit von dem tragischen Tod der einstmaligen Heldin der Lüfte.

Jean Batten: National Library of New Zealand  / Public Domain; Percival: RuthAS  / CC BY-SA 3.0; 
Statue: Egghead06  / CC BY-SA 3.0 alle via Wikipedia
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