Westaustralien hört nicht in Perth auf. Wer die Küste hinauf Richtung Norden zieht und die Indian Ocean Drive hinter sich lässt, landet in einer Stadt, die von Einheimischen schlicht „Gero“ genannt wird und die kaum jemand auf der Liste hat.
Zu Unrecht, denn Geraldton ist das pulsierende Zentrum der Coral Coast: lebendig, windgepeitscht, historisch aufgeladen und umgeben von einer vielseitigen Landschaft. Dort sind Korallenriffe, rosafarbene Seen, rote Schluchten und ein dramatisches Stück holländischer Kolonialgeschichte auf engstem Raum versammelt – die ideale Zwischenstation für alle, die Westaustralien erkunden.
Die Stadt Geraldton
Mit knapp 41.000 Einwohnern ist Geraldton die größte Stadt zwischen Perth und Broome. Dank ihres Hafens und der ansässigen Industrie ist sie ein wichtiges Zentrum für Fischerei, Bergbau und Landwirtschaft in der Region. Tourismus und Freizeit kommen aber auch nicht zu kurz. Geraldton gilt als beliebter Ort für Wassersportarten wie Kitesurfen, Windsurfen und Angeln. Außerdem ist die Stadt ein beliebter Ausgangspunkt für Reisen zu den Naturschauplätzen der Umgebung und hat selbst einige historische Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Anreise
Geraldton liegt rund 420 Kilometer nördlich von Perth, nur fünf Stunden Fahrt auf der Indian Ocean Drive, einer der schönsten Küstenstraßen Australiens. Alternativ gibt es tägliche Flüge (ca. 1 Stunde) ab Perth International.
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Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten in und um Geraldton
1) Kultur & Geschichte
» Museum of Geraldton
Das Herzstück der Stadtkultur thront direkt am Indischen Ozean. Das Museum bündelt die Geschichte der Region in vier großen Schwerpunkten: die Shipwrecks Gallery mit Artefakten von vier historischen niederländischen Wracks (Batavia, Zuytdorp, Zeewijk, Gilt Dragon), der 3D-Film From Great Depths über das Wrack der HMAS Sydney II und der HSK Kormoran, die Mid-West Gallery zur Geschichte der Region und eine Dauerausstellung zur Yamaji-Kultur der Indigenen. Täglich um 11:30 Uhr gibt es eine geführte Tour.
» HMAS Sydney II Memorial
Eines der bewegendsten Mahnmale Australiens steht hoch oben auf dem Mount Scott mit Blick über die Stadt und den Ozean. Es erinnert an die 645 Seeleute, die 1941 starben, als die HMAS Sydney II bei einem Seegefecht mit dem deutschen Hilfskreuzer HSK Kormoran versenkt wurde. Der Verlust der Sydney gilt als schwerster Verlust der Royal Australian Navy. 66 Jahre lang blieb der Verbleib beider Schiffe unbekannt. Erst 2008 wurden sie rund 207 Kilometer vor der westaustralischen Küste auf dem Meeresgrund gefunden. Das Mahnmal besteht aus fünf symbolischen Elementen; tägliche Führungen durch ehrenamtliche Guides ergänzen den Besuch.

» Geraldton Regional Art Gallery
Untergebracht im restaurierten Stadthaus von 1907, ist die Galerie Westaustraliens erste regionale A-Class-Ausstellungsstätte. Zu sehen gibt es wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer westaustralischer Kunst.
» Point Moore Lighthouse
Der charakteristische rot-weiß gestreifte Leuchtturm, wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, ist einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Leuchttürme aus Gusseisen in Australien. Er steht unmittelbar am Meer und eignet sich hervorragend als Fotomotiv beim Sonnenuntergang.

» Yamaji Drive Trail
Ein 195 Kilometer langer Kulturpfad durch die Region, der 14 Stationen verbindet: Felskunst, heilige Naturorte und historische Stätten, die für die Yamatji, die traditionellen Eigentümer dieser Ländereien, von Bedeutung sind. Der Trail ist mit dem Auto befahrbar und führt auch durch das Hinterland östlich von Geraldton.
» St. Francis Xavier Cathedral
Das architektonische Hauptwerk von Monsignor John Hawes (1876–1956), einem britischen Architekten, der später Priester wurde und das Gesicht der sakralen Architektur in der Region prägte. Der Bau der Kathedrale erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte; das Ergebnis ist ein Meisterwerk des hispanisch-romanischen Stils, das vollkommen aus dem Rahmen aller australischen Kirchenarchitektur fällt. Eine eigene Ausstellung im Monsignor Hawes Heritage Centre widmet sich dem außergewöhnlichen Leben und Werk dieses Mannes.

» Central Greenough
Rund 25 Kilometer südöstlich von Geraldton liegt das historische Dorf Greenough, ein bemerkenswert gut erhaltenes Beispiel kolonialer Siedlungsgeschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die historischen Gebäude machen einen Stopp hier lohnenswert.
2) Natur & Landschaft rund um Geraldton
» Houtman-Abrolhos-Inseln
Das Highlight schlechthin für alle, die sich von Geraldton aus aufs Meer wagen. Der Archipel aus 122 Inseln und Korallenriffen liegt 60 Kilometer vor der Küste und zählt zu den artenreichsten Meereslebensräumen des Indischen Ozeans. Hier leben rund 200 Korallenarten, 490 Molluskenarten, 389 Fischarten und an Land befindet sich eines der wichtigsten Seevogelschutzgebiete Australiens. Seelöwen, Delfine und saisonale Wale gehören ebenfalls zu den Stammgästen. Das Wrack der Batavia liegt in nur vier bis sechs Metern Tiefe und ist der unzweifelhaft bekannteste Tauchspot des Bundesstaates. Erreichbar sind die Inseln per Charterboot, Tauchboot oder Rundflug ab Geraldton.

» Kalbarri National Park
155 Kilometer nördlich von Geraldton öffnet sich einer der spektakulärsten Nationalparks Westaustraliens, der Kalbarri NP. Der Murchison River hat sich über Millionen von Jahren durch roten und weißen Sandstein gegraben und dabei eine 80 Kilometer lange Schlucht hinterlassen. Höhepunkte sind der Kalbarri Skywalk, zwei auskragende Plattformen mit Blick in die Schlucht, und es gibt einige First-Nations-Kunstwerke der Nanda (Teil der Yamatji-Kultur) zu bestaunen. Das Nature’s Window ist eine natürliche Felsöffnung mit Blick auf den Fluss und der Z-Bend-Lookout begeistert die Wanderer mit dem Blick auf die spektakulären Küstenklippen mit Formationen wie der Natural Bridge und dem Island Rock. Zwischen Juli und Oktober blühen über 800 Wildblumenarten, darunter seltene Orchideen und Grevilleas.
» Ellendale Pool
Rund 45 Kilometer östlich von Geraldton liegt dieses stille Wasserloch im Greenough River, eingebettet in senkrechte Sandsteinklippen. Ein idealer Picknick- und Vogelbeobachtungsort abseits der Touristenpfade.
» Hutt Lagoon (Pink Lake)
Rund 70 Kilometer nördlich von Geraldton, nahe Port Gregory, liegt einer der surrealistischsten Naturanblicke Australiens: ein flamingopinker See, dessen Farbe von der Beta-Carotin produzierenden Alge Dunaliella salina stammt. Am besten zwischen 10 und 14 Uhr an einem sonnigen Tag besucht. Die rund 70 km² große Lagune beherbergt außerdem die weltgrößte Mikroalgen-Produktionsanlage, aus der natürliches Beta-Carotin als Farbstoff und Nahrungsergänzungsmittel gewonnen wird.

» Coalseam Conservation Park & Mullewa
Östlich von Geraldton im Hinterland: Im Frühjahr (August bis Oktober) verwandeln sich die Felder rund um Mullewa in ein Blütenmeer aus einheimischen Everlastings (Strohblumen), Hakeas und Grevilleas. Zu dieser Jahreszeit ist Geraldton das Tor zur berühmten Wildblumensaison Westaustraliens.
3) Wassersport & Outdoor-Aktivitäten
» Windsurfen & Kitesurfen
Geraldton ist die anerkannte Windsurf-Hauptstadt Westaustraliens und rangiert global unter den Top-Spots. Die Winde zwischen November und April sind konstant stark (häufig 15–30 Knoten) und machen die Stadt zum Mekka für erfahrene Windsurfer und Kitesurfer. Point Moore, Sunset Beach und St. George’s Beach sind die bekanntesten Spots; das Coronation Beach rund 27 Kilometer nördlich gilt als einer der besten Surfspots der gesamten Küste. Ausrüstung und Unterricht sind in der Stadt buchbar.

» Tauchen & Schnorcheln
Neben den Abrolhos-Inseln bieten die Gewässer vor Geraldton mehrere lokale Tauchspots. Charterboote und Ökotouren starten direkt vom Hafen aus.
» Angeln
Die Region ist eines der produktivsten Fischgewässer der australischen Westküste. Bootstouren zu den Abrolhos-Inseln sind bekannt für Western Rock Lobster, der mit Hunderten Booten an der Fishermen’s Wharf angeliefert wird. Für Besucher gibt es Hummer frisch an lokalen Ständen oder in den Fischfabriken zu kaufen.
» Kajakfahren & Kanu-Safaris
Im Kalbarri National Park bieten Anbieter geführte Flusstouren auf dem Murchison River an, teilweise kombiniert mit Beobachtungen von Delfinen, Schildkröten und Pelikanen am Flussufer.
» Rundflüge
Scenic Flights ab Geraldton zu den Abrolhos-Inseln (mit Überfliegen des Batavia-Wracks und Landung auf East Wallabi Island) sind eines der atemberaubendsten Erlebnisse der gesamten Coral Coast und die schnellste Möglichkeit, die Hutt Lagoon aus der Luft zu erleben.

» Wandern
Der Bigurda Trail führt entlang der Küstenklippen zwischen Eagle Gorge und Natural Bridge, der Loop Walk im Kalbarri National Park bietet die besten Schluchtblicke der Gegend. In der Stadt selbst ist der Spaziergang entlang der Geraldton Foreshore mit Blick auf Champion Bay und die Moresby Ranges vom 360-Grad-Aussichtspunkt der Esplanade empfehlenswert.
Tipp: Hummeressen in Geraldton
Geraldton ist die Hummer-Hauptstadt Westaustraliens. Der frische Western Rock Lobster steht auf nahezu jeder Speisekarte und ist hier, direkt vom Fangort, zu Spitzenpreisen der Frische zu bekommen. Lokale Cafés, Meeresfrüchterestaurants und eine wachsende Café-Szene machen die Innenstadt zu einem angenehmen Stopp. Der Wochenmarkt und frische Fischläden an der Fishermen’s Wharf ergänzen das Angebot.
Wann ist die beste Reisezeit für Geraldton?
Die Stadt lebt das ganze Jahr, hat aber unterschiedliche Jahreszeiten, in denen sich das Publikum stark unterscheidet. Von November bis April kommen primär Wind- und Kitesurfer (stärkste Brisen, heiße Sommer), von Juli bis Oktober alle, die Wildblumen, angenehmeres Klima und die besten Tauchtage in den Abrolhos schätzen. Der westaustralische Winter ist mild und sonnig, die Wildblumensaison macht die gesamte Region um Geraldton und Kalbarri zu einer der schönsten Australiens.
Und wann besuchen Sie Geraldton?
Geraldton ist weit mehr als nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Norden. Die Mischung aus Küstenlandschaft, Wassersport, spannender Seefahrtsgeschichte und Ausflugszielen macht die Stadt zu einem lohnenden Bestandteil einer Westaustralien-Reise. Besonders für Selbstfahrer bietet Geraldton eine gute Gelegenheit, die Fahrt entlang der Coral Coast mit Natur-, Kultur- und Outdoor-Erlebnissen zu verbinden.
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