Wer ist eigentlich… Frances Alda?


Ihre schillernde Persönlichkeit hatte so viele Facetten wie ihre Stimme – die neuseeländische Opernsängerin Frances Alda war nicht nur eine herausragende Sängerin, sondern auch eine stolze Frau und Feministin. Außerdem war Frances Alda Patriotin und als Neuseeländerin stolz auf ihre Wurzeln.

Geboren am 31. Mai 1879 als Fanny Jane Davis, verbrachte sie ihre Kindheit in Christchurch, Neuseeland. Schon ihre Großeltern mütterlicherseits waren Opernsänger gewesen und auch ihre Mutter Leonore war professionelle Sängerin. Fannys Vater hingegen, ein Kaufmann, war mit der Gesangskarriere seiner Frau nicht einverstanden und wollte, dass sich seine Frau auf ein Leben als Hausfrau und Mutter beschränkte, wie es in der damaligen Zeit üblich war. Doch Leonore konnte und wollte sich diesem Diktat nicht beugen und reichte ein Jahr nach Fannys Geburt die Scheidung ein. Fortan nahm sie ihre Kinder mit auf Tournee, sodass die kleine Fanny schon früh mit der Glitzerwelt der Oper bekannt wurde. Vermutlich hat auch die mutige Entscheidung ihrer Mutter dazu beigetragen, dass aus der jungen Fanny eine selbstbewusste Frau wurde, die dafür bekannt war, stets auf ihrem Recht zu beharren. Dem Beispiel ihrer Mutter folgend, wollte auch Fanny sich nicht auf Ehe und Häuslichkeit beschränken, sondern stattdessen Karriere als Opernsängerin machen.


Ihr Talent für die Musik war schon früh offenkundig: Sie lernte Klavier und Geigespielen und nahm Gesangsstunden beim australischen Tenor Armes Beaumont, der in ihr früh ein großes Talent erkannte.
Ihr Bühnendebüt hatte sie im Alter von siebzehn Jahren in einem kleinen Musiktheater im australischen Adelaide. Von dort aus tingelte sie mit verschiedenen Gesangsgruppen von Stadt zu Stadt und machte sich schließlich hoffnungsvoll nach Europa auf.

Frances Alda vor einem Mikrofon

Der Traum von der Oper wird wahr

In Paris angekommen, wartete auf die junge Fanny eine neue Welt: Sie wurde Schülerin der berühmten Opernsopranistin Mathilde Marchesi, die ihr auch den Künstlernamen Frances Alda vorschlug. Am 15. April 1904 feierte der junge Star am Pariser Opernhimmel sein Debüt – in der Hauptrolle von Massenets Manon.
Die folgenden Jahre waren für die junge Sopranistin geprägt von Superlativen: Sie wurde gefeiert wie ein Star, sang in London, Parma, Mailand und Warschau und erreichte schließlich 1908 den Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere in New York. An der Metropolitan Opera sang sie die Gilda in Verdis Rigoletto und wurde über Nacht in Amerika zur Berühmtheit. Frances Alda war so beeindruckt, dass sie zwanzig Jahre blieb: New York und die Met wurden zu ihrer Heimat, die sie nur noch verließ, um mit ihrer Truppe auf Tournee zu gehen. Insgesamt sechsundzwanzig Hauptrollen spielte sie in dieser Zeit, darunter Desdemona in Verdis Othello und Mimi in Puccinis La Bohème – eine Rolle, die beinahe zu ihrem Markenzeichen wurde.

Frances Alda 1917 als Desdemona

1917 als Desdemona

Für immer Neuseeländerin

Einige ihrer Tourneen führten Frances Alden auch zurück in ihre Heimat, nach Australien und Neuseeland, wo sie frenetisch gefeiert wurde. Kein Wunder, hat Alden doch immer klar gemacht, dass ihre wahre Heimat immer Neuseeland sei. Auch in musikalischer Hinsicht fühlte sich Frances Alden ihrem Land stets verbunden: Während mehrerer Gelegenheiten sang sie sogar auf Maori, der Sprache der neuseeländischen Ureinwohner. In einer Zeit, als die Rechte der indigenen Bevölkerung noch weitgehend missachtet wurden, kam diese Geste fast einer kleinen Revolution gleich. Auch in anderer Hinsicht entpuppte sich die willensstarke Neuseeländerin als politisch revolutionär. So setzte sie sich energisch für die Rechte der Frauen ein und förderte die Suffragettenbewegung. Auch jüngeren Kolleginnen und Debütantinnen stand sie tatkräftig bei deren Karrieren zur Seite – als Beraterin, Freundin und Fürsprecherin. In einem solch hart umkämpften Business wie der Oper, wo Konkurrenzdenken an der Tagesordnung ist, war dies keine Selbstverständlichkeit.

Frances Alda fährt ein Auto

Selbst ist die Frau

Doch Frances Alden hat sich während ihres bewegten Lebens nicht nur Freunde gemacht. Als ausgesprochener Charakterkopf eckte die berühmte Sängerin häufig an, auch bei ihrem eigenen Ehemann. Giulio Gatti-Casazza war nicht nur der Manager der Metropolitan Opera in New York und damit ihr großer Förderer, sondern auch ein eifersüchtiger Liebhaber. Eifersüchtig war er wohl vor allem auf ihren Erfolg. In dieser Ehe wiederholte sich in gewisser Weise das Drama ihrer Eltern. Gatti-Casazza wollte, dass seine Ehefrau sich so unterwürfig benahm, wie eine gute Ehefrau es seiner Meinung nach zu tun hatte, doch Frances Alda dachte gar nicht daran. Anstatt den Namen ihres Mannes und seine Ratschläge anzunehmen, behielt sie ihren eigenen Künstlernamen und beschritt unbeirrt ihre eigenen Wege. Diese stürmische Ehe hielt dennoch knapp achtzehn Jahre.
Mit dem Ende ihrer Karriere begann für Frances Alda eine entspannte Zeit. Sie heiratete 1941 erneut, nämlich den Geschäftsmann Ray Vir Den, und verbrachte viel Zeit auf Reisen und mit zahlreichen illustren Gästen in ihrem Haus auf Long Island. Frances Alden starb am 18. September 1952 in Venedig an den Folgen einer Hirnblutung.

Frances Alda 1917 als Desdemona, vor Mikrofon, im Auto fahrend, im Autofonds - alle gemeinfrei via Wikipedia
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