Ausstellungstipp: Emil Nolde und die Südsee


Fans des Südpazifiks kennen ihn bestimmt: Den expressionistischen Maler Emil Nolde Nolde (1867–1956) und seine Südseebilder. Diesen Meisterwerken ist nun eine Ausstellung in Noldes Heimat Schleswig-Holstein gewidmet: Zum 150. Geburtstag Emil Noldes zeigt die Nolde Stiftung Seebüll mehr als 150 Werke, die der Maler bei seinem Südseeaufenthalt zwischen 1913 und 1914 schuf.

Wie so viele Künstler des Expressionismus war auch Emil Nolde stets getrieben von der Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Natürlichkeit. In einer Welt die sich durch Industrialisierung und politischen Umwälzungen im Wandel befand, suchte Nolde nach dem „ursprünglichen Wesen des Menschen“ nach dem, was uns Menschen ausmacht. Er fand diese Ursprünglichkeit fernab seiner norddeutschen Heimat, in Papua Neuguinea.

Nolde in Neu-Guinea

Dass der lange gehegte Traum dieser Reise in Erfüllung ging, hat Emil Nolde einer wissenschaftlichen Forschungsexpedition zu verdanken, an der er und seine Frau Ada teilnehmen durften. Nolde wurde als ethnografischer Zeichner engagiert, um Bilder der Bevölkerung sowie der Flora und Fauna Neuguineas anzufertigen, die später dem Kolonialamt zur Verfügung gestellt werden sollten.

Als Teil einer medizinisch-wissenschaftlichen Expedition reiste man zunächst mit der Transsibierischen Eisenbahn bis nach China, von dort aus nach Japan und Korea, ehe man sich auf den Weg zu der deutschen Kolonie Neu-Guinea machte.

Hier begann für Emil und Ada Nolde das Abenteuer Südsee, das den Maler Zeit seines Lebens nicht mehr los lassen sollte. Wie verzaubert von der tropischen Üppigkeit der Landschaft, malte Nolde Bilder über Bilder von exotischen Pflanzen, fremden Vögeln, Affen und Eidechsen.

Am meisten aber beeindruckten ihn die Begegnungen mit den Ureinwohnern der Inseln – auch wenn diese Fasziniation nicht immer geteilt wurde. Nicht alle standen Emil Nolde gern, oder freiwillig Modell und nicht selten brachte sich der von der Südsee so verzauberte Maler auch in Gefahr: Die Einwohner waren es nicht gewöhnt, sich porträtieren zu lassen und begegneten dem seltsamen Europärer nicht immer mit derselben Begeisterung, die er für sie empfand.

Portrait „Südsee-Insulaner“ von Emil Nolde

Immer wieder jedoch suchte Nolde nach dem wilden, unzivilisierten Leben und bannte in rascher Folge Urwälder, Korallenriffe, Blumen, Gräser und Menschen aufs Papier. Auch lernte er begeistert die Lebensweise der unterschiedlichen Stämme kennen und erkannte bald die Gefahr, die von der europäischen Kolonisierung ausging: Bis zum Ende seines Lebens verurteilte der Maler die sinnlosen Rodungen der Urwälder und die negativen Einflüsse der westlichen Kultur auf die indigenen Völker der Südsee.

Die Reiseeindrücke, die er von Neu-Guinea mitbrachte, begleiteten ihn jedoch noch über Jahre. In seiner Norddeutschen Heimat malte er noch Jahre nach seiner Rückkehr farbenprächtige Bilder, die seine Erfahrungen und auch seine Sehnsucht nach der Südsee widerspiegeln.

Zahlreiche dieser Bilder sind im Rahmen der Reihe Nolde im Norden vom 8. Mai bis zum 03. September im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottdorf zu sehen. Das umfangreiche Begleitprogramm mit Vorträgen und Workshops rundet das Angebot ab.

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