Wer ist eigentlich… Errol Flynn?


Er war ein Draufgänger, wie er im Buche steht. Wer die Lebensgeschichte des australischen Schauspielers Errol Flynn hört, fragt sich unweigerlich, ob das alles auf Tatsachen beruht oder ob man da einer gewaltigen Lügengeschichte aufgesessen ist. Doch es gibt sie, diese Menschen, deren Biografie sich liest wie ein Abenteuerroman. Errol Flynn ist einer dieser Menschen, die ihr Leben scheinbar dem maximalen Abenteuer gewidmet haben: Er war Goldsucher und Wilderer, notorischer Gigolo und Schürzenjäger, Schauspieler, Söldner und sogar Spion im Spanischen Bürgerkrieg. Aber schön der Reihe nach:

Errol Leslie Thomson Flynn wurde am 20. Juni 1909 in der kleinen Hafenstadt Hobart auf Tasmanien geboren. Seine Eltern, zwei renommierte Meeresbiologen, waren zwar wohlhabend und ermöglichten dem jungen Errol und seiner Schwester eine unbeschwerte Kindheit und den Besuch hervorragender Privatschulen in England, waren jedoch auch vielbeschäftigt und nur wenig verfügbar. Errol galt als rebellischer und ausnehmend schlechter Schüler und beendete seine unrühmliche akademische Karriere vorzeitig – man munkelt, er habe die Wäscherin des Internats verführt und wurde deswegen der Schule verwiesen.

Zurück in Australien hangelte er sich mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er sich schließlich auf den Weg nach Papua Neuguinea machte. Warum er ausgerechnet in dieses, damals noch sehr unerschlossene und gefährliches Land reiste, hat Flynn nie verraten – es muss sein angeborener Sinn fürs Abenteuer gewesen sein, der ihn nach Neuguinea zog. Dort versuchte er sich als Tabakplantagenbesitzer, Goldsucher und Wilderer – und erlebte prompt sein erstes Abenteuer und beging einen Mord: In Notwehr soll er einen Einheimischen erschossen haben, der ihn mit Speeren bedrohte. Ob diese Geschichte wahr ist, oder ob Flynn sie später aus Gründen der Publicity erfunden hat, ist schwer zu sagen.
Tatsache ist, dass es ihn nicht lange auf Papua Neuguinea hielt. 1930 unternahm er mit seinem Schiff „Sirocco“ eine Weltreise und schilderte seine Erlebnisse detailgetreu für das Sydney Bulletin.

Zurück in Australien wurde er schließlich Schauspieler. Auch diesen Beruf wählte Flynn eher zufällig aus, so wie er alles im Leben rasch und eher beiläufig entschied. Doch die Schauspielerei lag ihm am Herzen und so nahm er Schauspielunterricht und begann, sich ernsthaft mit dieser Karriere auseinander zu setzen.
Zunächst schlug sich Errol Flynn mit kleinen Bühnenrollen und Gelegenheitsarbeiten durch, ehe er von Warner Brothers entdeckt und nach Hollywood beordert wurde. 1935 engagierte Regisseur Michael Curtiz Flynn für die Rolle des Piratenkapitäns im Epos „Unter Piratenflagge“ und begründete damit Flynns Ruhm als Darsteller für Mantel- und Degenfilme. Errol Flynn fielen diese Rollen nicht schwer, hatte er doch bis dato selbst das Leben eines draufgängerischen Raubeins und Abenteurers geführt. Kritische Zungen behaupten, Flynn habe als Schauspieler kein Talent und immer nur sich selbst gespielt, doch es ist unbestritten, dass er damit großen Erfolg hatte.
Legendär seine Auftritte in „Günstling einer Königin“ an der Seite von Bette Davis, oder in den Western „Virginia City“ und „Santa Fe Trail“, wo er gemeinsam mit Olivia de Havilland spielte. Weitere Filme mit Flynn und Olivia de Havilland machten das Duo als Traumpaar Hollywoods weltberühmt.

Traumpaar Hollywoods: De Havilland & Flynn in Robin Hood

Errol Flynn und die Frauen

Überhaupt waren Frauen die vielleicht größten Fans des Schauspielers Errol Flynn. Nicht nur sah er ausnehmend gut aus, er verfügte auch über einen spitzbübischen Charme und eine Chuzpe, die ihresgleichen sucht. Die Ehe mit seiner erste Frau, der Schauspielerin Lili Damita hielt nicht allzulange. Seine zweite Frau, Nora Eddington, verließ er ebenfalls – wegen immer jüngeren Frauen. In seinem Haus am Mullholland Drive in Hollywood, feierte Flynn ausgelassene Parties, auf denen der Alkohol in Strömen floss. Flynn hatte Zeit seines Lebens unzählige Geliebte – was im prüden Amerika der 1930er und 40er nicht unbedingt auf großen Anklang stieß. Auch seine zunehmende Alkoholsucht wurde in Hollywood und in der Presse nicht gerne gesehen. Zum Alkohol gesellten sich bald die Drogen, und als der Geschmack des Kinopublikums sich von rauen Western und Piratenfilmen hin zu mysteriösen Agenten und Kriminalfilmen wandelte, konnte Flynn seine Karriere nur schwer aufrecht erhalten. Es gelang ihm nicht, in den neuen Genres Fuß zu fassen.
Seine letzte Filmrolle jedoch brachten ihm ein letztes Mal den Beifall der Kritiker ein: In „Die Wurzeln des Himmels“ aus dem Jahr 1958 brillierte er als Charakterdarsteller: Er spielte, wie immer, sich selbst – in diesem Falle einen von der Trunksucht gezeichneten Abenteurer.
Errol Flynn starb am 14. Oktober 1959 mit nur 50 Jahren an einem Herzinfarkt in den Armen seiner letzten Geliebten, der 17-jährigen Schauspielerin Beverly Aadland.

Fotos: Iberia Airlines CC BY 2.0, National Library of Australia gemeinfrei, Warner Bros. Trailer gemeinfrei - Alle via Wikipedia.

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