Drei außergewöhnliche Südsee-Bräuche


mikronesien

Bräuche, also in bestimmten, klar umgrenzten Gesellschaften fest verankerte Gewohnheiten, sind für Außenstehende meist nur recht schwer zu verstehen. Und je ferner und unbekannter eine Kultur ist, desto ferner und verwunderlicher mögen deren Bräuche gemeinhin erscheinen. Eine größere Distanz als zu den Kulturen der Südsee ist kaum möglich – und so auch nicht zu deren Bräuchen. Deshalb seien hier drei eigenartige – und zwar wörtlichen im Sinne – Bräuche vorgestellt.

1. Gol Springen auf Pentecoste

Vielfach fälschlicherweise als in der Vanuatu-Sprache Bislama als Naghol Springen bezeichnet, ist das Gol Springen ein alter Lianensprung-Brauch der Sa auf der zu Vanuatu gehörenden Insel Pentecost, der als Vorform des Bungee-Springens gilt.

Gol_Springen

Für das Gol Springen wird mehrere Wochen vor dem tatsächlichen Springen ein etwa 15 bis 30 Meter hoher Turm, Tarbe genannt, aus Holz und Rinden mit mehreren, verschieden hohen Plattformen errichtet. Während dieser Zeit ziehen sich die Männer vollkommen zurück und den Frauen ist es verboten, in die Nähe des Turms und der Männer zu kommen. Wenige Tage vor dem Sprungtermin bereiten die Männer dann ihre jeweiligen Lianen vor, mit denen sie sich beim Landsprung vom Turm anbinden und absichern werden.

Erst kurz vor dem Beginn des Ereignisses dürfen dann auch Frauen zum Zuschauen und Anfeuern der Springer durch rhythmische Gesänge in die Nähe des Turms kommen. Nach und nach erklimmen die Männer dann ihre jeweiligen Positionen und stürzen sich von den Plattformen dem Boden entgegen.

Einstmals für ein Initiationsriuts von Jungen zu Männern gehalten, wird heute vor allem davon ausgegangen, dass es sich beim Gol Springen um eine allgemeinen Mutprobe und einen Beweis der Männlichkeit handelt.

Um das Lianenspringen von Pentecost hat sich ein nicht unerheblicher Schautourismus entwickelt.

2. Hochzeit auf Tahiti

Viele Menschen träumen von einer Hochzeit am Strand und unter Palmen: Für Tahiti allerdings ist ein uns vermutlich recht eigentümlich erscheinender Hochzeitsbrauch tradiert, der in vielerlei Hinsicht zumindest oberflächlich unseren Vorstellungen vom Hochzeitstag als besonderem Ehrentag der Braut entgegenlaufen mag. Nachdem die Zeremonie vollzogen ist, legen sich alle Angehörigen der Braut dicht an dicht mit dem Gesicht in Richtung Erde auf den Boden, so dass sie eine Art menschlichen Teppich formen, über den Braut und Bräutigam anschließend feierlich schreiten. Erklärungsmodelle gibt es für diesen Brauch unzählige, allerdings konnte bis heute nicht klar bestätigt werden, was seine tatsächlichen Ursprünge sind.

3. Begrüßung auf Tuvalu

Tuvalu

3. Während sich in Deutschland zur Begrüßung die Hand geschüttelt wird, es gelegentlich auch zu Umarmungen oder gar französisch gehauchten Küsschen kommen mag, geht es auf Tuvalu ein wenig anders vor: Dort drückt man sein Gesicht zur traditionellen Begrüßung möglichst fest in die Wange seines Gegenübers, um dann lautstark zu schnüffeln.

Copyright Foto Tuvalu by INABA Tomoaki, CC-Lizenz via Wikipedia.

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