Die Traumzeit der Aborigines


Aborigines

Wer hat nicht schon von ihm gehört, dem eindrucksvollen Ayers Rock in Australien. Wir kennen ihn von Bildern und manche waren schon vor Ort, um im Rahmen einer Tour vielleicht sogar dort zu klettern. Doch wer weiß schon, dass der Ayers Rock in den Augen der Aborigines heilig ist und nicht betreten werden darf? Der Uluru, wie ihn die australischen Ureinwohner nennen, ist nämlich ein fester Bestandteil der Traumzeit und somit der Schöpfungsgeschichte.

Alles ist eins

In der Kultur der Aborigines, die als die älteste der Welt gilt, ist die Traumzeit der Schlüssel zu allem, was existiert hat, existiert und existieren wird. Wie eine Art Paralleluniversum beinhaltet die Traumzeit alle wichtigen Ereignisse der Vergangenheit, die wiederum ständig Auswirkungen auf das Jetzt und somit auch auf die Zukunft haben. So erklärt sich nach der Mythologie der Aborigines auch die Schöpfung.

Vor vielen Millionen Jahren war alles eins, Menschen, Tiere und spirituelle Wesen. Letztere, auch totemische Vorfahren oder schöpferische Ahnen genannt, erträumten zu dieser Zeit die Erde. Sie bewegten sich durch die noch kahle Landschaft und kreierten, angeleitet durch ihre Weisheit, die Sonne, Sterne, alle Elemente und sie gaben Tieren ihre Namen.

Eine der wichtigsten Schöpfungsgestalten war die Regenbogenschlange, die Berge, Täler und Flussläufe formte. Nichts war jedoch fest angelegt, sondern alles konnte sich in alles verwandeln, denn alles ist eins. Und weil in der Traumzeit nichts einfach nur der Vergangenheit angehört, ist ihm Glaube der Aborigines auch heute noch alles miteinander verbunden. Ein Stein kann als Mensch wieder geboren werden, ein Mensch als Tier …

Mündliche Überlieferung

Da Schrift bei den Aborigines keine Rolle spielt, wurden die Traumzeitlegenden seit über 40 000 Jahren mündlich von Ahnen und Urahnen weitergegeben. Eine große Rolle spielen dabei noch immer die berühmten Tänze der Stämme, die manchmal eher einem Theaterstück gleichen. Pantomimisch und mit Hilfe von Körperbemalungen erzählen die Männer von den Abenteuern der Traumzeit-Wesen. Begleitet werden die Darbietungen von Gesängen, rhythmischen Musikinstrumenten und dem bekannten Didgeridoo.

Dig

Die sonoren Digeridoo-Töne werden als Vibrationen der Regenbogenschlange interpretiert, die sie erzeugte, als sie Australien mit seinen Bergen und Tälern formte.

Traumzeit heute

Durch überlieferte Rituale und Zeremonien halten die Aborigines Kontakt zur spirituellen Energie der Schöpfungszeit und somit die Legenden lebendig. Auch die Regeln des Zusammenlebens gehen noch immer auf die Schöpfungsfiguren zurück. Ausgehend von dem Gedanken, dass alle Lebewesen sowie die Topografie eines Lebensraums untrennbar miteinander verbunden sind, ist es logisch, dass die Aborigines besonders behutsam mit der Natur umgehen. In ihrem Glauben wurde ihnen als Menschen das Land anvertraut und ihre Heimat ist für sie der Mittelpunkt des Universums. Manche Orte werden aufgrund mystischer Ereignisse ganz besonders verehrt. Der eingangs erwähnte heilige Ayers Rock, oder Uluru gilt z.B. als die Heimat der Regenbogenschlange.

Ayers

Uluru – Heimat der Regenbogenschlange

Dass die Touristen dort trotzdem geduldet werden, zeigt die zwangsläufige Anpassung der Aborigines-Kultur an die Veränderung ihrer Umwelt seit der Kolonialisierung. Auch das gehört irgendwie zur Traumzeit.

Foto Aborigines: Steve Evans from Citizen of the World – Australia: Aboriginal Culture 011 Uploaded by berichard; CC 2.0 via Wikipedia

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