Melanesien: Kulturraum erklärt


Der Kulturraum Melanesien basiert auf einer Abgrenzung der Sprachen: Er steht für diejenigen südpazifischen Inseln, die einst von dunkelhäutigen Menschen besiedelt wurden, die weder dem polynesischen, noch dem mikronesischen Sprachraum zugeordnet werden können. Der Begriff Melanesien stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Schwarze Inseln“. Melanesien umfasst die Staaten Papua Neuguinea, die Salomonen, Fiji und Vanuatu sowie das zu Indonesien gehörende Westneuguinea, das französische Überseeterritorium Neukaledonien und die Australischen Torres-Strait-Inseln.

Das ganze Gebiet erstreckt sich auf 940.000 km². Von einem einheitlichen Kulturraum zu sprechen ist schon alleine aufgrund der Vielzahl der Völker und Ethnien unmöglich. Vielmehr besteht Melanesien aus Hunderten von Kulturen, die sich alle voneinander unterscheiden. Zum Vergleich: Alleine in Papua Neuguinea leben zwischen 700 und 1000 unterschiedliche Volksgruppen, die insgesamt 839 unterschiedliche Sprachen und Dialekte sprechen.

Der Begriff Melanesier wurde vom französischen Entdecker Jules Dumont D’Urville erfunden, der die Südsee im 18. Jahrhundert ausgiebig bereist und kartografiert hat. Er ging davon aus, dass es sich bei den Bewohnern der melanesischen Inseln um ein einziges indigenes Volk handelte. Er irrte freilich, doch der Begriff blieb hängen. Wahr ist, dass die Bewohner Melanesiens genetisch eng verwandt sind und wahrscheinlich von den Australischen Aborigines abstammen. Ganz geklärt ist die Frage der Besiedelungsgeschichte Melanesiens jedoch nicht.

Gemeinsamkeiten in Melanesien

Stamm in Papua Neuguinea

Was den Melanesischen Kulturraum eint, ist zum einen die koloniale Vergangenheit und zum anderen das Bestreben, die eigenen indigenen Bräuche und Traditionen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Über 10 Millionen Einwohner zählt die Region Melanesien derzeit, Tendenz steigend. Gerade in Staaten wie Papua Neuguinea, den Salomonen und Vanuatu sind die uralten Kulturen trotz (oder gerade wegen) den Erfahrungen der Kolonisierung bis heute lebendig. In Papua Neuguinea leben bis heute Stämme, die den europäischen Missionierungs- und Kolonialisierungsversuchen widerstanden haben und aufgrund der geografischen Abgeschiedenheit kaum Kontakt zur Außenwelt haben. Auch auf den Salomonen und auf Vanuatu sind die alten Bräuche, Sprachen und Stammestraditionen bis heute lebendig.

Bedrohung durch Klimawandel und Abholzung

Eine weitere, weitaus tragischere Gemeinsamkeit, die nahezu alle Staaten Melanesiens betrifft, ist die Bedrohung durch den Klimawandel. Viele Bewohner melanesischer Inseln und Atolle sind durch den ansteigenden Meeresspiegel unmittelbar bedroht. Es wird davon ausgegangen, dass zahlreiche Inseln in naher Zukunft versinken werden, oder aufgrund von Überflutungen aufgegeben werden müssen.
Dennoch: Melanesien besitzt die größten zusammenhängenden Urwaldflächen im asiatisch-pazifischen Raum, vor allem Papua Neuguinea hat den fünftgrößten Regenwald der Erde mit fast 10000 unterschiedlichen Pflanzenarten. Als Klimastabilisator ist der Regenwald enorm wichtig für die Region, dennoch haben in den letzten Jahrzehnten Abholzung und Raubbau durch große Internationale Konzerne massiv zugenommen. Melanesiens Regierungen planen daher, sich zusammen zu schließen, um die Industriestaaten bei der Verhandlung neuer Klimaschutzabkommen stärker in die Pflicht zu nehmen.

Fischfang prägt die Völker Melanesiens

Fischfang prägt die Völker Melanesiens

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Melanesische Kulturraum, trotz aller Unterschiede, vieles gemeinsam hat: Gerade in religiöser und spiritueller Hinsicht ähneln sich die Kulturen Melanesiens. Wie fast überall im Südpazifik pflegen die Ureinwohner der melanesischen Inselwelt einen intensiven und engen Kontakt zu der sie umgebenden Natur. Wie fast alle Naturvölker nutzen sie Tanz und Körperbemalung, um mit der spirituellen Welt in Kontakt zu treten. Jahrhunderte von europäischer Missionierung haben vielerorts die alten Bräuche verdrängt oder verändert, doch gerade in abgelegenen Regionen ist die ursprüngliche Spiritualität der Inselbewohner intakt geblieben.
Die meisten Bewohner Melanesiens leben vom und mit dem Meer. Gerade Fischfang prägt die Inselwelt, doch auch Landwirtschaft spielt eine große Rolle. Die Nähe zur Natur tut den Menschen gut, wie es scheint: Auf Vanuatu beispielsweise leben nachweislich die glücklichsten Menschen der Welt.

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