Es gibt Reisen, die man lange plant – und solche, die sich im Nachhinein wie ein großes, leicht chaotisches, aber sehr schönes Gesamtwerk anfühlen. Unsere 19 Tage in Neuseeland gehörten eindeutig zur zweiten Kategorie.
Der Start hatte etwas Abenteuerliches: Nach Mitternacht landeten wir in Christchurch. Müde, etwas zerknittert und mit dem vagen Gefühl, dass unser Körper noch irgendwo über Australien schwebte. Die Einreise hingegen war erstaunlich effizient – kein Drama, keine langen Diskussionen, elektronische Passkontrolle und nur ein kurzer prüfender Blick der Bio-Kontrolleurin – und schon waren wir offiziell willkommen.
Christchurch selbst zeigte sich als Stadt im Wandel. Die historische Tram zuckelte gemütlich durch die Straßen, während moderne Gebäude und Parkhäuser die Narben des Erdbebens von 2011 überdeckten. Es war eine Stadt zwischen Vergangenheit und Aufbruch.
Am Abend trafen wir unsere Reisegruppe: zwölf Menschen, die sich vorher nie gesehen hatten, und unsere Reiseleiterin, die vermutlich schon ahnte, was sie mit uns erleben würde. Unser Bus – ein zehn Jahre alter Fuso – hatte Charakter. Kein Navi, eine Klimaanlage, die eher symbolischen Wert hatte, und ein Geräuschpegel, der uns später zuverlässig aus jedem Mittagstief holen sollte
Danach lernten wir uns beim gemeinsamen Essen besser kennen – die ersten vorsichtigen Witze, die ersten „Wo kommt ihr her?“ und das stille Wissen: Diese Gruppe wird uns jetzt fast drei Wochen begleiten.
Dann ging es los – Richtung Süden. Linksverkehr! Anfangs ein kleines Abenteuer für das Auge und das Gehirn, besonders an Kreuzungen. Schnell wurde uns auch klar: Entfernungen in Neuseeland sind relativ. „Nicht weit“ kann hier durchaus mehrere Stunden bedeuten.
Unser erstes großes Ziel war der Lake Tekapo. Und plötzlich war da dieses unglaubliche Blau – fast unwirklich, eingerahmt von schneebedeckten Bergen. Einige aus der Gruppe hatten einen Rundflug zum Aoraki, dem Mount Cook gebucht. Während sie später begeistert berichteten, genossen wir anderen den Blick vom Boden – der übrigens auch absolut spektakulär war.


Später sahen wir den Mount Cook noch einmal von der Aoraki Lodge aus – diesmal näher, klarer, fast ehrfürchtig. Am Abend erreichten wir die Ohau Lodge am Lake Ohau. Die Atmosphäre erinnerte ein wenig an eine Mischung aus Berghütte und Jugendherberge – unkompliziert, herzlich, mit großem Charme, interessant gestalteten Menus, hoher Laustärke und – ganz, ganz ‚dünnem‘ Internet.

Der nächste Morgen entschädigte für alles: ein Sonnenaufgang, der die Berge in warmes Gold tauchte. Still, klar, fast unwirklich. Einer dieser Momente, in denen niemand spricht.
Weiter ging es Richtung Dunedin, mit Zwischenstopps, die eigentlich schon eigene Reisen wert gewesen wären. Unterwegs spiegelte sich ein Berg perfekt in einem See – als hätte jemand die Landschaft verdoppelt. Die Moeraki Boulders wirkten wie von Riesen am Strand liegen gelassen – geheimnisvoll, rund und irgendwie einzigartig. Die Herkunft ist bis heute ungeklärt.

Oamaru überraschte mit einer historischen Altstadt und kleinen, leicht schrägen Läden – genau die Art von Ort, in dem man mehr Zeit verbringt als geplant.


In Dunedin selbst besuchten wir neben der steilsten Straße der Welt die Otago-Halbinsel, wo wir die Königsalbatrosse sehen konnten. Riesige Vögel, die scheinbar mühelos durch die Luft glitten – mit einem interessanten Vortrag über das Aufwachsen und Leben dieser Vögel.


Durch die ‚rauhen Catlins‘ ging es weiter – natürlich bei Regen – zum Nugget Point Leuchtturm. Dramatische Klippen, grauer Himmel, Wind – ein perfektes Postkartenmotiv, wenn man es dramatisch mag. Über Invercargill erreichten wir Bluff und setzten nach Stewart Island über. Trotz aller Warnungen vor bewegter See war die Überfahrt erstaunlich ruhig.
Auf Stewart Island wurde es ruhiger, ursprünglicher. Oban wirkte wie ein Ort, an dem die Zeit etwas langsamer läuft. Unsere Wanderung auf Ulva Island war ein echtes Naturerlebnis – seltene Vögel, die einem fast auf die Füße hüpften und dichte Vegetation, absolute Ruhe.

Irgendwo zwischen Natur und Souvenirladen haben wir uns mit erstaunlich angenehm zu tragenden Merino-Shirts eingedeckt.
Zurück auf dem Festland folgten wir dem Southern Scenic Highway nach Te Anau. Dort erwartete uns die Glühwürmchenhöhle – ein unterirdisches Schauspiel aus Wasser, Fels und einer Bootsfahrt unter tausenden winzigen Lichtpunkten. Fast wie ein Sternenhimmel, nur deutlich feuchter.

Der Milford Sound war dann ein Höhepunkt, auf den selbst die Natur stolz zu sein schien. Die Fahrt durch den Homer-Tunnel (945 ü NN), und wieder hinunter zum Fjord, vorbei an Wasserfällen und steilen Felswänden – einfach überwältigend. Unser Schiff fuhr hinaus Richtung Tasmanische See, drehte dort und brachte uns zurück – zum Glück, denn der Gedanke, einfach weiterzufahren, war zwar verlockend, aber logistisch schwierig.


Auf dem Weg nach Queenstown stoppten wir bei einem Manuka-Honiggeschäft. Wir lernten: gesund, vielseitig und preislich eher im Bereich „gibt es nur hier, aber überlege ich mir noch mal“.

Queenstown selbst war lebendig, touristisch, aber wunderschön gelegen. Im Kiwi Park sahen wir endlich die berühmten Vögel – im Dunkeln, ohne Fotos, und unter strenger Beobachtung. Die Kiwis und ihre Betreuer nahmen ihre Privatsphäre sehr ernst.

Über Arrowtown, eine charmante Goldgräberstadt, ging es weiter über die höchste Passstraße von NZ. Dann die Westküste: rau, wild, grün. Ein kurzer Spaziergang durch Regenwald – und plötzlich standen wir wieder am Meer.


Fox Glacier wirkte wie ein kleines Dorf am Ende der Welt. Von hier aus sahen wir den Mount Cook von der anderen Seite – vertraut und doch ganz anders.
Der Franz-Josef-Gletscher zeigte uns eindrucksvoll, wie sehr sich die Natur verändert: Früher bis ans Meer reichend, heute mehrere Kilometer zurückgezogen und nur noch ein schmales Bächlein erinnert an einst rauschende Fluten.

In Hokitika entdeckten wir Jade und viele Produkte aus Merino -Opossum – eine Kombination, die wir so noch nicht kannten.

Die Pancake Rocks waren ein weiteres Naturwunder – Felsen, die tatsächlich wie gestapelte Pfannkuchen aussehen und die mit einem schönen Rundwanderweg auch für Besucher, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, erschlossen sind.

Danach ging es weiter Richtung Abel Tasman Nationalpark: goldene Strände, türkisfarbenes Wasser, Robben, Sonne. Wandern oder Schwimmen? Einige entschieden sich klug für beides, auch wenn die Zeit dafür knapp war.


Über die Weinbaugebiete der Nordspitze der Südinsel erreichten wir Kaikoura. Auf dem Weg direkt an der Straße ein Ausguck über eine Kolonie von Robben, wo wir auch viele Junge beobachten konnten. Die Region hat sich vom Erdbeben 2016 inzwischen erholt, im lokalen Museum läuft ein interessantes Video, welches die Schäden und deren Reparatur dokumentiert. Einige hatten hier Walbeobachtungen gebucht – ein unvergessliches Erlebnis. Der Sonnenaufgang beim Blick aus unserem Motelfenster am nächsten Morgen setzte noch einen drauf.



Zurück an die Nordspitze nach Picton ging es per Fähre es durch den Marlborough Sound nach Wellington – erstaunlich ruhig, obwohl die Gewässer der Drake Street für ihre Launen bekannt sind.

Wellington selbst war lebendig: Waterfront-Walk Te Papa Museum, Cable Car. Der Spaziergang zurück durch den Botanischen Garten bot interessante Informationen über die lokale Fauna und war eine willkommene Pause vom Sitzen im Bus.




Auf dem Weg zum Tongariro Nationalpark machten wir Halt in Foxton – mit funktionierender holländischer Windmühle – und in Taihape, wo wir uns im Gummistiefel-Weitwurf versuchten – einem der merkwürdigen Wettkämpfe, dem die Neuseeländer mit Begeisterung frönen. Es blieb bei einem einmaligen Versuch…..


Im Nationalpark versteckten sich die Vulkane zunächst in Wolken. Erst am Abend zeigten sie sich – perfekt geformte Kegel, fast zu schön, um echt zu sein. Im Ruapehu Informationszentrum lernten wir viel über die Entstehung Neuseelands und die immer noch sehr aktive Erdkruste in diesem Teil der Erde.
Weiter ging es nach Taupo, vorbei an zahlreichen Baustellen mit mitunter langen Wartezeiten. Die Wairakei-Thermalquellen beeindruckten mit heißen Geysiren, auch wenn wir leider keine Zeit zum Baden hatten.


Ein besonderer Moment war das Gespräch mit einer Maori-Frau, die uns Geschichte und Gegenwart näherbrachte – ehrlich, eindrucksvoll und nachdenklich stimmend.
Rotorua begrüßte uns mit Schwefelgeruch. Wir besuchten eine Kiwi-Aufzucht- und Rettungsstation und das Kulturzentrum Te Puia – mit Geysiren, Handwerk und Haka – dem Kriegstanz der Maori. Das Hangi-Essen war hervorragend – bis eine große asiatische Reisegruppe die Ruhe etwas ‚auflockerte‘.





Über Waihi und eine verlassene Goldmine ging es weiter zur Coromandel-Halbinsel. Unser Motel in Pauanui war ein perfekter Abschlussort.
Am letzten Tag wollten wir den Hot Water Beach genießen. Da wir bei Ebbe dort waren, hätten wir uns jeder einen privaten Heißwasser-Pool im Sand graben können, leider regnete es – gottseidank der einzige Tag auf der gesamten Reise, an dem das Wetter wirklich störte. Selbst die geplante Wanderung zur Cathedral Cove fiel buchstäblich ins Wasser.
In Auckland ließen wir die Reise beim gemeinsamen Abendessen ausklingen. Am nächsten Tag machten wir noch einige Einkäufe und erkundeten die Stadt mit dem Maritime War Museum und vor allem dem Skytower, bevor es auf den langen Flug zurückging.


Und am Ende blieb das Gefühl: Diese Reise war mehr als Urlaub. Sie war ein Abenteuer, eine Sammlung von Momenten – und eine Geschichte, die man immer wieder gerne erzählt.


