Es ist Sonntag, der 14. September. Wir warten am Münchener Flughafen und können kaum still sitzen vor Vorfreude. Denn vor uns liegt eine besondere Reise – länger und weiter weg als jemals während der letzten Jahrzehnte.
Mehr als fünf Wochen werden wir unterwegs sein. Zunächst geht es nach Singapur, das wir schon mehrmals angesteuert haben – das letzte Mal liegt freilich schon knapp 20 Jahre zurück. Von dort aus setzen wir unseren Weg fort Richtung Südosten – es geht nach Neuseeland, auf die Nordinsel. Und als krönenden Höhepunkt und Abschluss der Reise haben wir die Cook Inseln Rarotonga und Aitutaki ausgewählt. Sowohl Neuseeland als auch die Cook Inseln sind neue Ziele auf unserer persönlichen Landkarte.
Warum September? Der Reisezeitpunkt ist immer ein Kompromiss bei solchen Entfernungen und derart verschiedenen Klimazonen und Jahreszeiten. Singapur, nahe dem Äquator gelegen, bietet Tropenhitze mit hoher Luftfeuchte während des gesamten Jahres – so auch bei unserer Ankunft. In Neuseeland beginnt erst der Frühling, und wir werden sowohl kühle Tage mit kräftigen Schauern erleben als auch einen Vorgeschmack auf den nahenden Sommer. Die Cook Inseln wiederum verwöhnen uns mit wunderbarer Wärme und viel Sonne – die ab November beginnende feuchte Saison mit Gewittern und bisweilen heftigen Stürmen berührt uns noch nicht. Dafür halten sich im Oktober noch besondere Gäste rund um die Atolle auf – Buckelwale, die hier ihre Kälber zur Welt bringen und mit ihnen die ersten Monate im warmen Wasser der Tropen verbringen. Aber der Reihe nach.
Geplant und gebucht haben wir die Reise gemeinsam mit Pacific Travel House. Beeindruckt hat uns zunächst deren üppige Website – ein gewaltiger, gut gegliederter Fundus an aktuell gehaltenen und exzellent bebilderten Informationen. Und das nicht nur zu den angebotenen Unterkünften und Rundreisen: Sondern auch viele praktische Tipps zu Einreise, Impfungen, Verkehr. Alleine damit lässt sich bereits eine erste Planung gestalten – und die Vorfreude anheizen. Gut und kundig betreut haben wir uns auch im direkten Kontakt gefühlt. Und der Ablauf der Reise hielt, was die Planung versprach.
Singapur
Noch ist es dunkel, als der Airbus A350 der Singapore Airlines am frühen Morgen aufsetzt. Es gießt in Strömen, das erkennen wir im Lichtkegel der Landescheinwerfer. Und das bleibt auch so, als wir zwei Stunden später in unserem Hotel Paradox Merchant Court einchecken. Wir wagen kaum zu fragen, ob vielleicht schon ein Zimmer frei ist – so viel früher als die reguläre Check-In-Zeit ab 15 Uhr. Aber die freundliche Lady am Empfang rettet unseren Tag – wir dürfen bereits um 8.30 unser Zimmer für fünf Nächte beziehen.

Gegen Mittag reißen die Wolken auf, und wir machen uns vom zentral gelegenen Hotel am Clarke Quay auf zu einem ersten Marsch durch die Stadt. Und erleben Singapur wieder von seiner faszinierendsten Seite – Asia in a nutshell. China und Indien, Malaysia, Indonesien, Korea, Japan – alle diese Länder und ihre Kulturen finden sich in Singapur. Architektur und Kulinarik von ganz Asien finden sich an der Seite einer hypermodernen Metropole und eingerahmt vom üppigen Grün zahlreicher Parks und Gärten.

Singapur muss man sich erlaufen – wobei einen das dichte Netz von Subway (MRT) und Bussen perfekt unterstützen. Erstaunlich dabei ist, wie perfekt alles funktioniert. Bezahlen lässt sich ganz einfach per Kreditkarte oder Handy, ganz ohne Ticket – beim Ein- und Aussteigen hält man die Karte an den Leser und der sehr kundenfreundlich kalkulierte Fahrpreis wird abgebucht.
Fünf Tage nur für eine Stadt? Doch, Singapur bietet ein ganzes Universum auf engstem Raum. Neben dem prallen Leben der ethnischen Viertel gibt es die moderne Kulisse rund um das ikonische Marina Bay Sands-Hotel und die Parkanlagen entlang der Marina – Programm für mehr als einen Tag. Die vorgelagerte Insel Sentosa mit zahlreichen Themenparks und dem legendären Aquarium. Der nicht nur für Asien einzigartige Zoo (mit Nachtzugang) und der botanische Garten. Eine der zahlreichen Rooftop Bars am Abend, oder die Hafenrundfahrt im Dunkeln, mit Blick aufs tägliche Feuerwerk an der Marina Bay.
Energie lässt sich zu jeder Uhrzeit in einem der Hawker-Center nachtanken. Das sind die überdachten Ansammlungen von Garküchen, die sich überall in der Stadt finden und wo sich für sehr kleines Geld die Kulinarik von ganz Asien erleben lässt. Übrigens stets hygienisch einwandfrei und oftmals in einer überwältigenden Qualität – sogar die Inspektoren des Guide Michelin verleihen regelmäßig Bib Gourmand-Auszeichnungen oder gar einen Stern für einzelne Stände.

Zentral gelegen und leicht erreichbar ist der vor allem bei Touristen beliebte und dennoch überaus authentische Lau Pa Sat mit den davor platzierten Satay-Ständen. Unser Tipp: Einfach an der längsten Schlange anstellen und auf die Schwarm-Intelligenz vertrauen. Ein gigantisches Angebot offerieren auch das Maxwell Food Centre, der China Town Complex, das Newton Food Centre und das Tekka Centre, letzteres in Little India.
Natürlich hat auch jedes der Edel-Kaufhäuser, etwa an der Orchard Road, seinen eigenen Food-Court. Dort sitzt man sicherlich bequemer als auf den Hockern der Hawker-Center. Doch für ein oft Mehrfaches von deren Preisen, und nur selten mit besserer Qualität. Ein unschätzbarer Guide für diese Vielfalt und auch die dort angebotenen Gerichte ist die Webseite eatbook.sg – oder eine der lokalen Food-Kolumnen bei YouTube.
Zeit nehmen sollte man sich auch beim Abflug aus Singapur – der Changi Airport ist definitiv einen längeren Aufenthalt wert. Ein Muss ist dabei der weltgrößte Indoor-Wasserfall „Jewel“ – ein must have auch fürs persönliche Fotoalbum. Wer Zugang hat, sollte auch Zeit für die Silver Kris Lounge der Singapore Airlines einplanen. Für uns die weltweit beste Flughafen Lounge, besser sogar noch die exzellenten Angebote der lokalen Airlines in Dubai oder Doha.
Neuseeland
Unser erstes Ziel nach elf Stunden Flug zu Neuseelands Nordinsel: Auckland, die größte Stadt des Landes und der wichtigste internationale Airport. Unsere Einreise verlief reibungslos – wenngleich man sich hier vorab ein wenig mit den zahllosen Restriktionen und Bestimmungen der Behörden vertraut machen sollte. Für vergessene Lebensmittel im Gepäck drohen Strafen von mehreren Hundert NZ-Dollar.

Ein Highlight gleich am ersten Abend, das uns Pacific Travel House ins Programm gepackt hatte: die Dinner Cruise mit einer 12-Meter-Segelyacht. Die Perspektiven vom Boot auf die Skyline und die Harbour Bridge samt Sonnenuntergang – märchenhaft. Unser Skipper teilte das Ruder übrigens immer wieder großzügig mit Gästen, die sich hinter dem Steuer ablichten lassen wollten. Wir hatten großes Wetter-Glück bei unserer Tour – es blieb trocken während der dreistündigen Ausfahrt. Allerdings empfehlen wir dringend warme Kleidung, denn der stramme Wind über dem offenen Meer kühlt einen kräftig durch an Deck.
Gebucht waren wir für unsere drei Nächte vor Ort im Auckland City Hotel in der Hobson Street. Der grosse Vorteil dieses Hauses ist die Lage – es lassen sich der Hafen, der Sky Tower, die Einkaufsmeile Queen Street und auch die wichtigsten Museen im Zentrum zu Fuss erreichen. Das City Hotel hat, wie auch sein Umfeld, sicher schon glamourösere Tage erlebt. Doch macht die überaus freundliche und hilfsbereite Crew dies wieder mehr als wett.
Ab Auckland stand für uns eine vorgebuchte Mietwagen-Rundreise auf dem Programm. Zunächst gut zwei Stunden Richtung Norden, nach Paihia an der Bay of Islands. Ein winziger, doch umso charmanterer Küstenort mit dennoch vielfältigem kulinarischen Angebot – vor allem Seafood und die landesweit unentbehrlichen Fish-and-Chips-Variationen.

Unsere Unterkunft – definitiv ein Highlight der gesamten Reise: das Bed and Breakfast Allegra House. Eine Gebäude mit eindrucksvoller Architektur, irgendwo zwischen Bauhaus und Frank Lloyd Wright, das sich wie ein Adlerhorst an den Steilhang hinter dem Ort schmiegt und einen traumhaften Ausblick über die gesamte Bay bietet. Die offenen und herzlichen Gastgeber Heinz und Brita laden ihre Gäste zum Frühstück in ihre Wohnküche oder, bei Sonnenschein, auf die herrliche Terrasse. Die beiden haben viele Tipps für die Umgebung wie auch die gesamte Insel auf Lager. Und helfen uns sogar, eine kleine Routenänderung bei der lokalen Agentur anzuschieben.
Überhaupt, Bed and Breakfast: Pacific Travel House hat hier eine ganze Reihe von Unterkünften im Programm, die keinen Vergleich mit 4- oder 5-Sterne-Hotels scheuen müssen. Persönliche Betreuung durch die stets sehr kommunikativen Gastgeber, schöne und oft im besten Sinne eigenwillige Gästezimmer sowie Frühstück, wie es sich in Hotels nur selten findet – das waren Erlebnisse, die wir gleich mehrfach genießen durften.
So auch in Hahei, einem weiteren Küstenort auf der südöstlich von Auckland gelegenen Coromandel-Halbinsel. Ein allerliebstes Gästezimmer mit Gartenzugang, Sue und Phil als wunderbare Hosts und Kenner ihrer Region. Sie schickten uns auch ins nur wenige Gehminuten entfernte Bistro The Church, wo uns die grandiose Küche der brasilianischen(!) Betreiber begeisterte.

Das herrlich strandnahe Hahei selbst ist Angelpunkt für diverse Ausflüge – zu Fuß mit etwas Kondition erreichbar die Cathedral Cove, eine riesige Höhle am Strand, eines der bekanntesten Fotomotive der gesamten Nordinsel. Im Sommer sicherlich oft überlaufen, in unserer Vorsaison und früh am Vormittag waren wir nahezu alleine. Per Auto in wenigen Minuten erreichbar ist der Hot Water Beach, wo Geothermie den öffentlichen Strand in einen beheizten Whirlpool verwandelt.
Geothermie – die ist auch omnipräsent an unserem nächsten Ziel, Rotorua. Fast im Zentrum der Nordinsel gelegen, befindet sich das Städtchen auch mitten in einer der vulkanisch aktivsten Regionen. Es liegt permanent ein leichter Geruch nach faulen Eiern – Schwefel – in der Luft, und vielerorts stehen, weithin sichtbar, Dampfsäulen über der Landschaft. Vom Rotorua Views B&B, unserem Quartier, erreicht man binnen weniger Fahrminuten einen der schönsten vulkanischen Parks der Region, Te Puia. In dem 70 Hektar großen Areal finden sich Fotomotive ohne Ende, und es lässt sich die unterirdische Energie erahnen, die immer noch Neuseeland prägt und verändert.

Integriert in das Parkareal gibt es auch ein Kulturzentrum der Maori mit Vorführungen traditioneller Tänze und Zeremonien, dazu auch eine Schule für das Kunsthandwerk der Urbevölkerung der Inseln.
Nicht zu vergessen: Annie und Dale, unsere Gastgeber – sie betreuen ihre Besucher herzlich wie alte Freunde – und haben uns das köstlichste Frühstück der gesamten Reise zubereitet. Dales Pancakes mit Obst haben Sterneniveau – zum Niederknien köstlich!

Weiter geht es Richtung Süden. In der vom Weinbau geprägten Region um Gisborne fahren wir durch Städtchen wie in Filmen der vierziger Jahre – hier ist die Zeit vielerorts stehen geblieben. Das gilt noch mehr für unseren Stopp in Napier im Südosten der Nordinsel. Die Stadt wurde 1931 von einem Erdbeben zerstört, und anschließend mit verblüffender Konsequenz und Stilsicherheit im Art Deco Stil wieder aufgebaut. Heute wirkt sie wie ein begehbares Architektur-Museum, gelegen an einer der schönsten Meeresbuchten der Region. Wie im Museum fühlt man sich auch im Masonic Hotel – außen wie innen eine Zeitreise in die Art Deco Epoche.
Last Exit Wellington – die Hauptstadt Neuseelands an der Südspitze der Nordinsel war für uns das Ziel der Mietwagenrundreise und eine dreitägige Pause vor dem Weiterflug zu den Cook-Inseln. Traumhaft in die Hügellandschaft und die zerklüftete Küste eingebettet, bietet Wellington reichlich Genussmittel für die Augen und Fotomotive. Trotz des Status als Hauptstadt der Nation wirkt das viel kleinere Wellington deutlich entspannter als Auckland. Ein Muss ist die Fahrt mit dem roten Cable Car auf den Hausberg oberhalb des Zentrums. Der Aussicht wegen, und auch für einen Besuch des Öko-Parks Zealandia, wo sich zahlreiche heimische Vögel und Reptilien in einem natürlichen Umfeld erleben lassen.

Der Rückweg Richtung City lässt sich wunderbar zu Fuß erledigen – man durchquert eine großartige Gartenlandschaft mit einem der ältesten Friedhöfe des Landes, wo sich die ersten Jahre von europäischer Einwanderung und Kultur noch gespiegelt finden.
Eine klare Empfehlung auch für unsere Unterkunft: Das zentral gelegene Bolton Hotel mit großen Apartments, einer tollen Ausstattung (Waschmaschinen und Trockner im Zimmer) sowie in den oberen Etagen einer großartigen Aussicht. Von dort aus lassen sich das gesamte Zentrum und auch das gastronomisch vielfältige Hafenareal zu Fuß erkunden.
Trotz des Hauptstadt-Status von Wellington führt kaum ein Weg Richtung Ausland an Auckland vorbei. Das gilt auch für uns und die Weiterreise auf die Cook-Inseln. Gegen Mittag hebt die A320 der Air New Zealand in Wellington ab, und erreicht eine knappe Stunde später Auckland. Von dort aus geht es mit einem weiteren Flug rund viereinhalb Stunden Richtung Nordost – nach Rarotonga, der größten Insel des weit im Pazifik verstreuten Archipels.
Cook Inseln – Rarotonga
Es ist fast Mitternacht, als wir ins kleine Flughafengebäude von Rarotonga laufen. Und dennoch gibt es die Begrüßung durch einen unermüdlichen Sänger mit Mandoline, und den Lei, den obligatorischen Blumenkranz. Überraschend um die Uhrzeit hingegen die Gründlichkeit, mit der sich die Zoll-Beamten noch unserer Pässe und des Gepäcks widmen. Aber selbst sie machen ihren Job noch mit dem Lächeln, das auf den Cook-Inseln dazu gehört – egal, wo und wann.
Für unsere vier Nächte auf Rarotonga haben wir das Muri Beach Resort ausgesucht – eine Mittelklasse-Bungalowanlage am gleichnamigen wunderschönen Strandabschnitt im Südosten von Rarotonga. Der Blick geht über die türkisfarbene, flache Lagune auf ein vorgelagertes Inselchen, das sich bei Ebbe leicht zu Fuß erreichen lässt – Badeschuhe nicht vergessen!

Am Muri Beach findet man auch den Night Market, wo sich sowohl Einheimische als auch Touristen ab 17 Uhr mit lokalen Köstlichkeiten versorgen können. Es gibt hier eine enorme Vielfalt an Seafood wie dem pazifischen Pendant zur Ceviche, Ika Mata, viel fritierten Fisch und asiatisch inspirierten Bowls, auf Wunsch auch vegan.
Rarotonga lässt sich per Linienbus in rund einer Stunde umrunden, und diese Tour sollte man definitiv absolvieren – hier begegnen sich Locals und Urlauber, es bleibt immer Zeit für einen Schwatz. Überhaupt: Rarotonga mag Hauptinsel und Zentrum aller regionalen Aktivitäten sein. Doch hat sich das Leben hier noch nicht von der Hektik der Tourismusindustrie vor sich her treiben lassen – anders als in so vielen Inselparadiesen, die längst von sterilen Kettenhotels und globalisierten Fast Food-Angeboten planiert wurden.
Zwar finden sich auf der Insel inzwischen auch eher rustikale Spielarten des Entertainments – doch flächendeckende Ballermann-Eskapaden oder regelmäßige Kreuzfahrer-Invasionen lassen sich im Alltag nicht wahrnehmen. Stattdessen – überall ein Lächeln, eine ansteckende Entspanntheit und – statt Betonflächen – eine wundervolle Natur, besonders in den dicht bewaldeten Hügeln des Inselinnern.
Cook Inseln – Aitutaki
Wem das alles immer noch zu hektisch, zu kommerziell, zu austauschbar erscheint – der muss sich nur 40 Minuten von der Air Rarotonga nach Aitutaki bringen lassen. Aitutaki – das ist mit Recht ein magischer Name, eine Chiffre für das Südsee-Paradies schlechthin.
Die Hauptinsel, flankiert von einer unfassbar schönen und in grün-blauem Farbrausch leuchtenden Lagune, fällt selbst gegenüber Rarotonga winzig aus. Kein Problem, an einem Vormittag sehr entspannt per Fahrrad von der Nord- zur Südspitze zu gelangen. Und zwischen Ost- und Westufer liegen meist nur wenige hundert Meter. Der höchste Punkt der Insel mit knapp 160 Metern über dem Meeresspiegel lässt sich leicht erwandern und bietet einen süchtig machenden Rundumblick über Insel und Atoll.

Die meisten Touristen kommen im Rahmen eines Tagesausflugs von Rarotonga hierher. Morgens rein, abends raus. Dazwischen gibt es eine Bootstour durch die Lagune, mit ein, zwei Stopps auf einem der vorgelagerten Inselchen – den Motus – und Schnorcheltouren im flachen Wasser.
Doch verpassen diese Island-Hopper den wahren Charme von Aitutaki: eine Insel, die sich als Genussmittel für alle Sinne zeigt. Wir hatten, gegenüber vier Tagen auf Rarotonga, deshalb auch unseren Aitutaki-Aufenthalt gleich auf eine Woche ausgedehnt.
Es gibt eine ganze Reihe durchweg kleiner und winziger Hotels auf der Insel; preislich und in Sachen Ausstattung fällt die Spanne sehr weit aus. Wir hatten uns für das nur acht Bungalows umfassende Etu Moana an der Westküste entschieden – und jede Minute genossen. Die Unterkünfte liegen in einem üppig grünen Garten, und der Blick von den Balkonen der Bungalow findet zielsicher zwischen Strand, Palmen und leuchtenden Blüten das Türkis der Lagune.

Der feinsandige Strand liegt nur wenige Schritte entfernt von der Anlage, und bietet stets genug Liegeplätze und auch einige Möglichkeiten für Wassersport – Schnorchelausrüstungen, Kajaks. Das Frühstück servieren die stets strahlenden Hotel-Mitarbeiterinnen am kleinen Pool. Es gibt eine Minibar in den Zimmern, und eine zentrale Self-Service-Bar – jeder Gast notiert das Verbrauchte. Für Lunch oder Abendessen finden sich selbst in Fußweg-Entfernung mehrere Möglichkeiten in einem der drei nächstgelegenen Hotels. Mit einem Scooter oder per Fahrrad steht die ganze Insel offen.
Doch liegt der Reiz von Aitutaki und auch des Etu Moana in der unvorstellbaren Ruhe, die sich schon nach wenigen Minuten in diesem Paradies einstellt. Es reicht, den Blick schweifen zu lassen, die warme und weiche Luft auf der Haut zu spüren. Die Farben von Wasser und Himmel, Strand und Vegetation zu bestaunen. Hier wäre selbst ein Yves Klein seiner Blau-Monomanie untreu geworden.

Ein perfektes Paradies? Ja, fast. Morgens, sehr früh morgens wecken einen meist die lokalen Hähne. Wir haben ihnen verziehen und uns wieder umgedreht. Mückenschutz empfehlen wir freilich bereits vorab ins Gepäck aufzunehmen, man wird ihn dringend brauchen, sobald die Sonne Richtung Horizont sinkt. In den luftigen Schlafräumen, geschützt mit Fenstergittern, bleibt man jedoch geschützt und genießt dennoch die kühlende Brise.
Eine Lagunentour mit einem der kleineren Boote haben wir natürlich auch noch gemacht. Ohne große Touristenscharen, dafür mit ein paar Schnorchelstops mehr. Auf dem bildschönen One Foot Island haben wir auch den obligatorischen Stempel im Pass mitgenommen, das will man ja auch zuhause vorzeigen.
Und an unserem letzten Tag dann die Exkursion zu den Buckelwalen. Mit einem winzigen Motorboot und nur vier weiteren Gästen an Bord geht es aus der Lagune hinaus ins offene Meer, der Meeresboden fällt nur knapp ausserhalb des Riffs schon auf mehrere hundert Meter ab. Platz genug für die bis zu 15 Meter langen Riesen und ihre auch schon stattlichen Kälber, die hier vor wenigen Monaten geboren wurden.

Der Blick scannt suchend die Wellen ab. Plötzlich, nur wenige Meter vom Boot entfernt, ein lautes Schnauben und eine Rückenflosse taucht aus dem Wasser auf. Masken auf, Flossen an den Füßen festmachen und schnell ins Wasser. Was uns da erwartet, ist einfach nur überwältigend. Ganz ruhig liegen Mutter und Kalb im Wasser, schauen den Neuankömmlingen zu. Tourist schaut dem Wal ins Auge, und Wal blickt auf Tourist. Eine unbeschreibliche Begegnung, nur knapp unter der Oberfläche des Pazifik.
Dazu ertönt, scheinbar von überall her, der Gesang der männlichen Buckelwale, die hierher zur Brautschau kommen. Wir liegen auf dem Wasser und lauschen. Einen ganzen Vormittag lang springen wir immer wieder ins Meer, staunend und fassungslos über so viel Glück. Übrigens: Außer unserer Jolle gab es rundherum noch zwei weitere kleine Boote, und zeitweise haben wir gefühlt mehr Wale als Touristen gesehen.
Bei der Buchung dieser Exkursion hilft übrigens die Rezeption in den Unterkünften, auch bei der Auswahl des konkreten Anbieters. Aitutaki ist winzig, man kennt sich und will auch, dass die Gäste wieder kommen.
Wiederkommen – das haben wir uns auf jeden Fall vorgenommen. Nicht nur nach Aitutaki.


