Die 60. Unabhängigkeitsfeiern auf den Cookinseln

1. Einleitung

Die Cookinseln im südöstlichen Pazifik, nach Landfläche der achtkleinste Staat der Erde, feiern am 04.08.2025 ihren 60. Unabhängigkeitstag. ‘Runde’ Unabhängigkeitsfeiern sind im Pazifik immer etwas Besonderes, 2025 auch in Papua Neuguinea (50 Jahre). Auf den zwölf bewohnten (von insges. 15) Cookinseln leben ca. 15.000 Einwohner (die neuseeländische Staatsbürger sind), davon ca. 72,5% auf der größten Insel Rarotonga mit dem ‘Hauptstadtdorf’ Avarua (ca. 5.000 Einwohner).

Der 60. Unabhängigkeitstag wird ganz groß gefeiert – mit Hunderten von Insulanern der äußeren Inseln (Pa Enua). Alle Insel-Communities arbeiten über Monate daran, in diesen Tagen der Unabhängigkeitsfeiern mit neuen Kostümen, Liedern, Musik und Tänzen – die alle auf das Thema ‘I know who I am, I have a homeland.’ abstellen – zu glänzen. Aus staatlicher Sicht ist es das Ziel der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten (Te Maeva Nui (TMN)), die kulturelle Identität und den Stolz auf den Staat zu fördern.

Der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit wird vom 25.07. bis 05.08.2025 zelebriert: zwölf Tage Gesangs- und Tanzshows im randvollen Are Karioi-Nui Auditorium, auch Nationales Auditorium genannt. Die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten sind an allen Tagen eine Offenbarung von künstlerischem Talent, großer Lebensfreude und Stolz auf Traditionen, die sich auch immer wieder auf den Zuschauerrängen durch geschmackvolle Kleidung (‘dressed to the occasion’) mit passenden Blumenkränzen (‘ei oder ei katu) manifestiert. Die Feierlichkeiten sind das größte kulturelle Ereignis, das jemals auf den Cookinseln stattgefunden hat.

Dieser Artikel möchte Sie mitnehmen in eine Welt voller Lebensfreude, Trommelmusik mit extrem schnellen Beats und dynamischen Tanzaufführungen, die immer wieder das randvolle Auditorium zum Jubeln bringen. Gewürdigt wird am Ende des Artikels auch, wie es ist, wenn man statt im touristischen Zentrum im Südosten von Rarotonga (Muri) im vergleichsweise ruhigen ‘Hauptstadtdorf’ Avarua für zwei Wochen wohnt.

Anmerkung des Verfassers zur Schreibweise von Begriffen aus dem Cook Islands Māori: Bei Begriffen, die aus dem Cook Islands Māori übernommen worden sind, wird differenziert zwischen Eigennamen als spezifische Bezeichnungen für Personen, Orte, Institutionen oder Marken (die im Folgenden immer großgeschrieben werden) und anderen Begriffen, die kleingeschrieben werden – also Pa Enua oder Te Maeva Nui einerseits und ‘ei, ei katu, kapa rima oder ura pa’u andererseits.

 

2. Die Cookinseln – eine thematische Einführung

1901 wurden die Cookinseln trotz des Widerstands der traditionellen Häuptlinge von Neuseeland (NZL) annektiert. Von 1901 bis 1965 waren die ‘Cooks’ im Protektoratsstatus der Kolonialmacht NZL unterworfen. 1965 haben sich die Cook-Insulaner für einen Status der ‘Freien Assoziierung’ (d.h. eigene Legislative, Exekutive und Judikative sowie eigene internationale Beziehungen) mit NZL entschieden. Die Cooks sind seitdem eine parlamentarisch-demokratische Monarchie im Commonwealth of Nations, d.h. das Staatsoberhaupt ist der englische König Charles III.

Rechnet man zu den auf den zwölf bewohnten Cookinseln lebenden ca. 15.000 Einwohnern die Diaspora hinzu (NZL: ca. 94.000; Australien: ca. 25.000; USA: nicht spezifiziert), wird klar, dass sich die größten Communities der Cook-Insulaner außerhalb der Heimat befinden.

Der Tourismus boomt auf Rarotonga – der wichtigste Wirtschaftszweig der Cookinseln steht für 70 % des BIP des gesamten Archipels. Die Tourismus-Branche arbeitet am Limit, alle Resorts sind ausgebucht und während des TMN 2025 sind auf Rarotonga spontan keine Mietwagen mehr zu bekommen. Neue Direktflüge von Brisbane auf die Cooks sind für 2026 bereits vereinbart – d.h. neue Resorts müssen her. Fast alle der jährlich ca. 170.000 Touristen – davon kommen zuletzt 68 % aus Neuseeland und 20 % aus Australien – verbringen ihren Urlaub auf Rarotonga und / oder Aitutaki. Die zweitgrößte Insel Mangaia hingegen begrüßt nicht einmal 100 Touristen jährlich.

Während die Inseln der Southern Group wenigstens noch – zu teuren Preisen – mit Air Rarotonga angeflogen werden können (Mangaia, Atiu, Mauke, Mitiaro und Aitutaki), ist der Zugang zu den Inseln der Northern Group für Touristen praktisch unmöglich, weil

  1. Air Rarotonga Preise nur ‘on request’ stellt, und
  2. Versorgungsschiffe, die nur selten die Inseln anfahren, auf Inseln wie Manihiki, Penrhyn oder Rakahanga nur Einheimische mitnehmen. Die Reise dauert 4-5 Tage (o/w).

Generell sind die Lebensbedingungen für alle Inseln mit Ausnahme von Rarotonga (also für Pa Enua) als schwierig zu bezeichnen, vor allem aus drei Gründen, die für viele der äußeren Inseln zutreffen:

  1. Hohe Lebenshaltungskosten,
  2. Nur sehr begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten, und
  3. Bevölkerungsrückgang (‘outmigration’).

Besonders augenfällig wird dieser Bevölkerungsrückgang auf Mangaia, einer Insel, auf der heute weniger als 500 Menschen leben. Leerstehende und heruntergekommene Häuser sieht man häufig bei einer Fahrradtour entlang der Rundstraße der Insel, die die drei Ortschaften Onerua, Tamarua und Ivirua verbindet. Noch in den 1960iger Jahren hatten ca. 5.000 Menschen auf Mangaia gelebt (damals gab es u.a. eine florierende Obstindustrie mit Ananas-, Bananen- und Orangenanbau).

 

Bilder von heruntergekommenen Häusern in Oneroa auf Mangaia

 

Aber das ist nur die eine – eher verblichene – Seite der Medaille, denn: Die umverteilungsorientierte Allokation wirtschaftlicher Überschüsse auf Pa Enua ist bemerkenswert. Der ehemalige Präsident der Avarua-Filiale der University of the South Pacific (USP), Rod Dixon, schreibt in einem Kommentar in den Cook Islands News (vgl. Dixon, Rod / Cook Islands News v. 02.08.2025): „Wirtschaftlich generierter Überschuss wird nicht in Infrastruktur oder Modernisierung bspw. von Produktionsmethoden investiert sondern in Sozialkapital. Profit findet somit Verwendung bei Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen, Wiedersehenstreffen, Benefizveranstaltungen, Gastgeberfunktionen etc.“

Damit manifestiert sich über diese Medaillenseite das Band, das die Cook-Insulaner verbindet („the unbreakable bond we share as Cook Islanders“). Im Jahr 2021 beschreibt der Premierminister Mark Brown treffend, was das Besondere an den Cook-Insulanern ist: „We as Cook Islanders value more than just money. We are Tiaki of our islands, and oceans, we are stewards of our culture and heritage, and we are generous and selfless people who look after each other to ensure our prosperity is shared and those who are most vulnerable are cared for.” (vgl. Te Ara Akapapa’aga Nui 2021-2121)

Die Feierlichkeiten zum 60. Unabhängigkeitstag werden genau unter diesem Credo angegangen, auch wenn dem neutralen Beobachter zunächst nicht mehr als der Begriff ‘Herkulesaufgabe’ für die Vorbereitungs-Herausforderungen einfällt …

Es gilt, Hunderte von Insulanern der äußeren Inseln (Pa Enua) nach Rarotonga einschiffen oder einfliegen zu lassen. Viele dieser Insulaner waren zuletzt vor der Corona-Pandemie oder zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit auf Rarotonga. Die Regierung chartert zwei Schiffe aus Tonga und Tuvalu, um den Insulanern der Northern Group die Teilnahme an den Feiern zu ermöglichen.

Das Schiff MV Nivaga IIII (Tuvalu) befördert die Insulaner aus Pukapuka, Nassau und Palmerston nach Avarua, während die MV Taka-I-Pomana (Tonga) die Insulaner aus Penrhyn, Rakahanga und Manihiki einschifft. Nicht nur weil die Schiffe mehrere Tage unterwegs sind und viele der Insulaner auf den Schiffen seekrank werden, ist das Projekt eine ‘Herkulesaufgabe’.

Inklusive der von der Regierung bezahlten Sonderflüge, um ebenfalls Hunderte von Insulanern der Southern Group aus Steuermitteln nach Rarotonga zu befördern, stellt die Staatskasse 4,1 Mio. NZD für Flüge und Schiffspassagen bereit. Hinzu kommt der zusätzlich bezahlte Sonderurlaub für die Staatsbediensteten der äußeren Inseln – Gehaltsfortzahlung für bis zu 31 Tage! Zum Vergleich: Zwar sind die Staatsausgaben für das TMN von 2024 nicht veröffentlich worden, aber für 2023 wurde eine Unterstützung aus Steuermitteln in Höhe von NZD 230.000 berichtet (vgl. Cook Islands News v. 28.02.2023).

Die Macher der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten,

  • Premierminister Mark Brown,
  • der ehemalige Kriminelle und Alleskönner Hon. George Maggie Angene, Minister of Cultural Development, der als einer der populärsten Politiker der Cooks jeden Kultur-Abend anmoderiert, und
  • Emile Kairua, Geschäftsführer des Ministry of Cultural Development und Chairman of the Te Maeva Nui 2025, der den Ticketverkauf, die Shows mit Presse-Coverage und Live-Streams sowie die Organisation des Abschlusskonzerts mit Jazz-, Pacifica-, Reggae- und Rockmusik verantwortet,

setzen unter dem im November 2024 veröffentlichten Thema ‘I know who I am, I have a homeland.’ das größte Fest auf, dass es auf den Cookinseln jemals gegeben hat.

Schon im Vorfeld der Feierlichkeiten spürt man überall in Avarua die große Vorfreude, die sich ab 25.07.2025 in wahre Lebensfreude übersetzt. Jeden Abend begegnet der Autor Tänzern und Tänzerinnen, die nach ihrer gerade beendeten und gelungenen Tanz-Performance Glücksgefühle, Zufriedenheit und Stolz ausstrahlen. Allerorten – rund um das Nationale Auditorium und vor den um die Veranstaltungshalle herum erbauten Hostels der Inseln (inkl. einem Hostel für die Diaspora aus Aotearoa / NZL), in denen die Insulaner während der Festlichkeiten übernachten und ihre Tanz-Choreographien und Musikstücke einstudieren, – sieht der Autor stolze junge Frauen und Männer mit charmantem Lächeln in traditionellen Tanzkostümen …

Die Macher der Show, aber auch die vielen namenlosen Helfer haben ganze Arbeit geleistet – die lokalen und überregionalen Medien (Cook Islands News respektive Radio New Zealand) sind beeindruckt und begeistert – und genau so geht es dem Autor als Zuschauer aus dem fernen Europa auch. Das ‘Drehbuch’ für dieses Ereignis wird im Vorfeld klar beschrieben. Es muss das Ziel dieser Veranstaltung sein, die kulturelle Identität und den Stolz auf den Staat zu fördern! Wie daran nicht nur die Insulaner mit ihren spektakulären kulturellen Performances beteiligt sind, sondern wie auch die Medien mit bewegenden Kommentaren den Nationalstolz befeuern, wird auch in diesem Artikel beschrieben.

 

Bilder von Emile Kairua (oben) und von einem namenlosen Helfer

 

3. Die Bestandteile des TMN

Seit dem Frühjahr 2025 werden die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten (Te Maeva Nui (TMN) – Übersetzung des Cook Island Maori: ‘the major or most important celebration’) im Internet beworben (vgl. Cook Islands Travel (ohne Datum)) und ab Mitte Juli 2025 kann man online Tickets für die Veranstaltungen im Nationalen Auditorium erwerben. Zum Ticketkauf muss man wissen, dass die besten Sitzblöcke (aus Bühnensicht unmittelbar links (Blöcke B und C) und rechts von der Bühne (Blöcke K und J)) bereits so zügig ausverkauft sind, dass Tickets der teuersten Preiskategorie (NZD 20 pro Ticket) kaum zu bekommen sind. Es ist deshalb empfehlenswert, sich frühzeitig und direkt über Cook Islands Tourism oder einen Reiseagenten um Tickets zu kümmern. Aber da im Vorfeld nur für sieben der zwölf Abende im Nationalen Auditorium Tickets durch die Organisatoren verkauft werden, kann man kostenfrei oder für ganz kleines Geld Zugang zu den anderen fünf Abenden auf Basis ‘first come, first serve’ bekommen.

 

Tickets für das Te Maeva Nui (TMN) im Juli / August 2025

 

Einfach ausgedrückt läuft das Spiel so, dass man für alle sieben Kulturabende (Cultural Night One am 26.07.2025 bis Cultural Night Seven am 02.08.2025) idealerweise im Vorfeld Tickets, die in drei Preiskategorien (NZD 5, NZD 10 und NZD 20) angeboten werden, kauft. Die Float Parade am Eröffnungstag (25.07.2025) ist wie alle großen Straßenumzüge auf der Welt eintrittsfrei. Das Ticket für die International Night (ebenfalls am 25.07.2025) kostet NZD 2 (alle angegebenen Preise gelten für den Juli / August 2025).

Die Cookinseln sind ein sehr christliches Land – deshalb werden die zwei Sonntage des zwölftägigen Festes den Kirchenliedern oder Hymnen (Imene) – bei freiem Eintritt im Nationalen Auditorium – gewidmet. Chorgesänge (Choir – Imene Pupu, 27.07.2025) und traditionelle Hymnen (Imene Tuki – 03.08.2025) sind traditionelle Gesangsformen, die oft im Zusammenhang mit kirchlichen Feiern und Gottesdiensten aufgeführt werden, denn Kirchenlieder sind ein zentraler Bestandteil des kulturellen und religiösen Lebens auf den Cookinseln.

Am Unabhängigkeitstag (04.08.2025) werden die ausländischen Staatsgäste im Nationalen Auditorium mit traditionellen Zeremonien und ausgewählten Tanzvorführungen unterhalten und am Abschlussabend (05.08.2025) sagt der Staat „Danke“ (‘Meitaki’ oder ‘Imene Mai’) mit dem größten Konzert an Jazz-, Pacifica-, Reggae- und Rockmusik, das es je auf den Cooks gegeben hat!

Die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten beginnen am 25.07.2025 mit einer Float Parade: Die Insulaner nehmen mit 37 Teams und 45 kreativ dekorierten Paradewagen an dem Festumzug teil, darunter

  • 10 Teams der kleineren Cookinseln (Atiu, Aitutaki, Mangaia, Manihiki, Mauke, Mitiaro, Palmerston, Pukapuka/Nassau, Rakahanga, Penrhyn (Tongareva)),
  • 4 Teams der Distrikte von Rarotonga (Nikao, Tupapa Maraerenga, Vaka Puaikura, Vaka Takitumu), und
  • 9 Teams der internationalen Communities, die auf Rarotonga leben (Fidschi, Indonesien, Kiribati, Niue, Philippinen, Tahiti, Te Heke Nga (Aotearoa / Neuseeland), Tonga, Torres-Strait-Inseln).

Der Festumzug ist eine Offenbarung für europäische Reisende. Bereits ab 10 Uhr versammeln sich die Insulaner am Startpunkt der Float Parade an der Ara Tapu westlich vom CITC Supermarket. Eine faszinierende Geräuschkulisse von Trommeln und Gesang stimmt auf den ab 12:30 Uhr beginnenden Umzug ein. Die jeweiligen Teams mit ihren Paradewagen müssen auf der ca. 1,8 km langen Strecke eine Jury passieren, die Wagen und Tänze bewertet, bevor nach äußerst langsamer Prozession der finalen 400 m Wegstrecke vor dem Court House die gleiche Performance vor den Ehrengästen nochmals aufgeführt wird.

 

Bilder von der Jury (links) und von der Float Parade (Junge Frau aus Oire Nikao, Rarotonga)

 

Die Freude bei den open air-Tänzen lässt sich in den Gesichtern aller Teilnehmer ablesen. Dieses Ereignis lässt sich freiwillig niemand entgehen – zumal alle Insulaner, mit denen der Autor ins Gespräch kommt, klar zum Ausdruck bringen, dass sie seit Wochen auf diese Tage hinfiebern. ‘The who is who’ aller Inseln sind präsent, darunter natürlich auch alle wichtigen Staatsbediensteten, die aufgrund ihrer Jobs ohnehin in Avarua oder auf Rarotonga leben.

Die Lockerheit dieser Staatsdiener ist kaum mit Worten zu beschreiben. Der Autor geht einen längeren Weg mit einem Arzt aus dem Gesundheitsministerium, bis der Arzt sein Team aus Manihiki erreicht. Erst stellt er den Autor einigen seiner Leute vor und später steht er auf dem Dach des Paradewagens und schwingt die Inselfahne zum Rhythmus der Trommeln – während das Fahrzeug im Schritttempo vorwärts rollt.

Auch Würdenträger wie der König von Mangaia, Numangatini Ariki Tangi Tereapii (vgl. RNZ v. 01.08.2025) reihen sich stolz in die Gruppen ihrer jeweiligen Insulaner ein.

 

Der König von Mangaia, Numangatini Ariki Tangi Tereapii (oben) und ältere Teilnehmerin aus Rarotonga

 

Auch die internationalen Communities, die auf Rarotonga leben, möchten dieses Ereignis nicht versäumen. Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten gestalten sich jedoch für die ‘Gastarbeiter*innen’ schwierig, denn ihre Arbeitgeber, die überwiegend in der Dienstleistungsbranche (z.B. Hotels oder Cafés) zu verorten sind, benötigen jede ‘helfende Hand’, da der Tourismus boomt. Deshalb kann der Beitrag der internationalen Communities nicht genug gewürdigt werden, denn das Schmücken von Paradewagen oder Tanz- und Gesangsproben können nur nach Arbeitsschluss am ‘Feierabend’ durchgeführt werden. Da aber der Busverkehr auf Rarotonga ab 18 Uhr eingestellt ist, ist es logistisch für viele Gastarbeiter*innen unmöglich, sich zu Proben zu treffen (Ausnahme: die Wochenenden). Trotz dieser ‘obstacles’ freut der Autor sich sehr, die Begeisterung auch der ausländischen Bürger*innen aus Fidschi, Indonesien, Kiribati, Niue, den Philippinen, Tahiti, Te Heke Nga (Aotearoa), Tonga und von den Torres-Strait-Inseln beobachten zu dürfen.

 

Bilder von ‘Gastarbeiter*innen’ aus Indonesien (links) und Tonga

 

Die Jury bewertet das gesamte Erscheinungsbild einer Insel respektive einer Teilnehmergruppe. Zu letzteren zählen auch

  • die sog. ‘marching bands’ (Girls Brigade, Girl Guides, Boys Brigade, Boy Scouts),
  • Teams der Regierung der Cookinseln (Ministry of Agriculture, Ministry of Justice, ICI (Infrastructure Cook Islands), Schulen und
  • Teams der wirtschaftlich großen Unternehmen (Kuki Net, Vodafone, TAU (Electricity and power authority), Edgewater Resorts).

Bewertet werden die Ausschmückung der Paradewagen sowie das Erscheinungsbild der Teilnehmer*innen. Die Jury bewertet nach Konzept und Umsetzung die Festwagen der Insulaner aus Rakahanga und Manihiki als Float Parade-Sieger. Bei den internationalen Communities belegen Float-Teams aus Tahiti, Fidschi, Indonesien, Kiribati und Tonga als beste Teams die Spitzenränge.

 

Die Siegerteams der Float Parade: Rakahanga und Manihiki

 

Am Abend nach der Float Parade beginnen die Feierlichkeiten im Nationalen Auditorium mit der ‘International Night’. Die Performance-Gruppe aus Tahiti bringt gleich am Beginn der Show durch einen pulsierenden und sehr lebhaften Auftritt das Auditorium in ‘mitschwingende’ Stimmung. Ein erster Höhepunkt wird durch den Auftritt des Teams der samoanischen Community erreicht. Die Samoaner werden auch deshalb mit Begeisterungsstürmen und warmherzigem Jubel gefeiert, weil im Kern ihrer Performance, die auf den Werten politische Souveränität, kulturelle Identität und Zugehörigkeit basiert, große Übereinstimmung mit den Werten der Cook-Insulaner wahrgenommen wird (vgl. Cook Islands News v. 28.07.2025). Dem Autor gefällt auch der Auftritt des professionellen Dhamuw-Koedal Teams der Torres Strait-Inseln, aber das liegt wohl eher daran, dass der Autor sich seit Jahrzehnten für die dortigen Kulturgruppen interessiert.

 

Die Tänzer*innen des Dhamuw-Koedal Teams von den Torres Strait-Inseln auf der Float Parade und nach der Performance im Nationalen Auditorium

 

Zwar beginnen am Folgetag die Cultural Nights der Cook-Insulaner, aber dieser wichtigste Teil der Feierlichkeiten wird im folgenden Abschnitt separat beleuchtet. Neben den Gesangs- und Tanzshows der Cook-Insulaner stehen aber auch noch traditionelle Sportwettkämpfe wie Rock Lifting und Coconut Tree Climbing oder Trommel-Wettbewerbe auf der zwölftägigen Agenda.

 

Eindrücke von den Emo Aito-Sportwettkämpfen (01. u. 02.08.2025)

Die Disziplinen der traditionellen Sportarten umfassen taki toka (rock-weight lifting), kukumi (wrestling), piki nu (coconut tree climbing), und ko akari (coconut husking – Entfernen der Kokosnussschale).

Das Rock Lifting war bereits im prä-kolonialen Tahiti beliebt (vgl. Heermann, Ingrid (Hrsg., 1987)): Dort bekam der Sieger des Rock Lifting-Wettbewerbs die Tochter des Häuptlings versprochen. Die Idee dabei ist natürlich, dass starke Männer starke Gene haben!

Die Spielregeln des taki toka sind denkbar einfach – aber auch denkbar schwer umzusetzen: Es erfolgt eine Zeitmessung ab Anheben bis zum „Auf die Schulter legen“ des zwischen 80kg und 100kg schweren Felsens, und zwar in drei Kategorien – Leichtgewicht (80kg), Mittelgewicht (90kg) und Schwergewicht (‘masters’ division’, 100kg). Die Sportler treten in der ‘Rocklifting Arena’ (im richtigen Leben die Beach Volleyball Courts) in Nikao an. Die Impressionen von den Wettkämpfen und insbesondere von dem Schwergewichts-Gewinner aus Tahiti zeigen mit Blick auf Technikstudien klar auf, dass Geschick, Kraft und Dynamik zu etwa gleichen Teilen gefordert sind.

 

Unbekannter starker Sportler des Emo Aito-Rock Lifting

 

Eindrücke vom Tangi Kaara (Senior Drumming Competitions, 26.07.2025)

Der Tangi Kaara ist in jedem Jahr ein sehr wichtiger Teil der Unabhängigkeitsfeiern. Der extrem schnelle Beat der Trommeln ist charakteristisch für die Kultur der Cookinseln. Kinder wachsen mit dem Beat der pahu (Franz.-Polynesien) oder pa’u (Cookinseln) auf und man könnte fast sagen, „dass der Beat in die Herzen und Blutadern der Cook-Insulaner hineingetrommelt wird“.

Die Trommeln eines Trommel-Ensembles bestehen aus

  • stehenden Trommeln mit einem Fellstück / mit Haifischhaut als Membran (sog. pa’u oder große Felltrommel) und
  • zwei Formen von Schlitztrommeln (horizontal slit gongs), den sog. tokere (auch als pate bezeichnet) und ka’ara (kahara).

Beim Trommeln leitet die pate, die kleinere der beiden Schlitztrommelarten, die Tänzer im ura pa’u (drum dance) an, während die größere, die ka’ara, zur Begleitung dient.

Obwohl Kultur eine Flussgröße ist und sich über die Zeit – auch ausgelöst durch Modetrends – Veränderungen und Anpassungen ergeben, ist das Erzeugen eines extrem schnellen Beats durch die Trommel-Ensembles über die Jahre beim Tanz die Konstante geblieben, und das macht den Tanz auf den Cooks im Polynesien-Vergleich einzigartig, denn: ein Trommler-Ensemble erzeugt einen ‘powerful resonating sound’.

Die Bedeutung eines Trommel-Ensembles für die Kultur der Cook-Insulaner bringt Jane Mason, die Direktorin des Cook Islands Library & Museum, in einem Artikel wie folgt auf den Punkt (vgl. Mason, Jean (ohne Datum)):

“Dance has a special place in Cook Islands life. … Before the written word came to these islands the history of its people was passed on in stories, chants and dance but even today dancing remains the principle vehicle for the transmission of heritage from one generation to another.”

Auch deshalb ist ein Verständnis der Bedeutung von Trommel-Ensembles für das Eintauchen in die Kultur der Cook-Insulaner essentiell. Hochschul-Professor, Trommler und MBE (Member of the Most Excellent Order of the British Empire) Jonassen kommt in seiner 30-seitigen Abhandlung über Trommeln und das Trommeln auf den Cooks zu folgendem Fazit (vgl. Jonassen, Jon Tikivanotau M. (2015)):

“Cook Islands drums will always remain as one of the important elements of Cook Islands Māori culture.”

 

Trommler-Ensembles aus Penrhyn (Tongareva, oben) und Mauke. Im Bild der Mauke-Trommler sieht man die größeren Schlitztrommeln, die ka’ara, die beim ura pa’u zur Begleitung dienen. Die pate, die kleinere der beiden Schlitztrommelarten, gibt beim Team aus Penrhyn (Tongareva) hinten rechts – neben den großen stehenden Trommeln – den Rhythmus vor.

 

Eindrücke von den BCI Trade Days (28.07. – 01.08.2025)

Über die Jahre haben sich die Bank of the Cook Islands (BCI) Trade Days als fester Bestandteil der Feierlichkeiten etabliert. Einheimische und Touristen gleichermaßen erfreuen sich auf dem Pūnanga Nui Market an den vielen Ständen, die traditionelles Kunsthandwerk, Schmuck, traditionelle Artefakte und lokale Essenspezialitäten von den ‘outer islands’ anbieten.

Zum 50. Unabhängigkeitstag wurde die Idee eines die Feierlichkeiten begleitenden Marktes geboren, nicht zuletzt auch, um den Insulanern von Pa Enua neue Einnahmequellen zu erschließen. In den letzten Jahren haben sich diese Trade Days zu einem veritablen Markt respektabler Größe entwickelt – 2025 bietet die Rekordzahl von 139 Händlern (2024: 92) mit ihren Verkaufsständen an, was das Herz begehrt (vgl. Cook Islands News v. 30.07.2025).

Brustdekoration, Muschelketten, geflochtene Hüte (insbes. Rito-Hüte) und Blumenkränze (‘ei od. ei katu) werden ebenso nachgefragt, wie traditionelle Steinäxte aus Mangaia (toki) und das Stickhandwerk der Frauen (tivaivai – Patchwork-Decken). Den größten Anklang jedoch finden die zubereiteten Spezialitäten-Gerichte aus Pa Enua. Es bilden sich lange Schlangen vor den Essensständen aus Mangaia (traditioneller Name: Auau Enua), Palmerston (Te Avarau Enua) und Manihiki (Manihiki Henua), weil es dort die Spezialitäten zu kaufen gibt, die auch die Einheimischen auf Rarotonga nur während der Unabhängigkeitsfeiern als höchsten Genuss angeboten bekommen, nämlich

  • ‘ti’, die Wurzel der ‘rauti’ (eine Art cabbage tree oder Cordyline fruticose – Mangaia),
  • ‘tirami’ (zerstampfte Taro) und ‘roroi’ (eigentlich ein Gericht, dass nur während der Jahresanfangsfeste zubereitet wird – Mangaia),
  • ‘takarari’, eine Art gebackenes Kokosfleisch (Palmerston), und
  • ‘pā’ua’, eine Spezialität basierend auf dem Fleisch der Riesenmuschel (giant clam – Manihiki).

 

Impressionen vom Pūnanga Nui Market während der BCI Trade Days

 

Nach dem Genuss köstlichster Speisen und der Zufriedenheit durch den Erwerb von lokalen Artefakten begibt man sich rechtzeitig für die Abend-Performance und in Hochstimmung wieder in das Nationale Auditorium, um sich von den Cultural Nights betören zu lassen.

 

4. Die sieben Cultural Nights der Unabhängigkeitsfeiern

Für die Tanzshows der Feier, die vom Ministry of Cultural Development produziert werden, wird zum Ende des vorangehenden Jahres die Entscheidung über ein Event-Thema (2025: ‚I know who I am, I have a homeland.‘) getroffen, damit alle teilnehmenden Gruppen hinreichend Zeit zur Erstellung von neuen Musik-Kompositionen, Gesangstexten, Kostümen und Tanz-Choreographien finden. Die Teilnahme-Regeln, die von den Kulturgruppen eingehalten werden müssen, sind überschaubar ausgearbeitet – ganz im Gegensatz zum Heiva i Tahiti, dessen Reglement en danse 2025 und Reglement en chant 2025 auf 31 respektive 27 PDF-Seiten dargelegt werden. In vereinfachter Darstellung gilt für die Cooks:

  1. Es gibt keine Begrenzung in der Anzahl der hinzugezogenen Komponisten (aronga atu) oder Koordinatoren (taunga).
  2. Internationale Teilnehmer aus der Diaspora dürfen an den Tanzshows teilnehmen, aber nur dann, wenn sie ihren Teilnahmewunsch zuvor mit den jeweiligen Team-Koordinatoren abgesprochen haben. Die Team-Koordinatoren sind bemüht, die Teilnahmeplätze zuerst an Insulaner aus Pa Enua oder aus Rarotonga zu vergeben.
  3. Die wesentliche Restriktion bei allen kulturellen Performance-Shows ist die Begrenzung auf 60 Teilnehmer auf der Bühne (Trommler, Gitarrenspieler, Sänger*innen, Tänzer*innen).

Da viele der Cook-Insulaner in NZL oder Australien leben, ist es möglich, dass einige dort als professionelle Tänzer*innen ihren Lebensunterhalt verdienen. Professionelle Tänzer*innen, die in den großen Resorts auf Rarotonga bei Tanzshows auftreten, nehmen eher nicht an den Performances im Nationalen Auditorium teil, da für die Resorts gilt: ‘The show must go on.’ Es ist jedoch bekannt, dass gute Tänzer*innen und Komponist*innen – die auf den Cooks einen extrem hohen Bekanntheitsgrad haben – immer wieder beim TMN auftreten oder teilnehmen.

Bei der Begrenzung der Teilnehmer*innen der Tanzshows gilt es abzuwägen, mit welchem Ton- und Gesangsvolumen man die gewünschten Effekte im Nationalen Auditorium erzielen kann. Die Anzahl der Trommler bspw. variiert im Sommer 2025 bei den einzelnen Performances zwischen zwölf und 18.

Im Fokus der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten stehen die abendlichen Tanzshows, die immer nach einem ähnlichen Muster das Nationale Auditorium zum Jubeln bringen:

Die ersten Aufführungen einer Show sind immer die reo tupuna / pe’e-Performances, die stehend mit Sprecherzählungen beginnen und langsam Gesang, Rhythmus und Bewegung aufnehmen.

Bei den eher von ruhigerer Gitarren-Musik begleiteten ute-Gesängen (traditionelle ‘Folk Songs’) werden die Songs von (häufig im Halbkreis) sitzenden Sängerinnen und dahinter stehenden Sängern aufgeführt.

 

29.07.2025: Cultural Night Three – Vaka Takitumu – reo tupuna / pe’e (Rarotonga – Eastern / Southern district – oben) und 29.07.2025: Cultural Night Three – Atiu (Enuamanu Enua) – ute

 

Ihnen folgen mit anziehendem und sich steigerndem Rhythmus die kapa rima (‘action dances’ oder ‘dances using hands’) und ura pa’u (‘drum dances’). Tänzer*innen tanzen mit Hüftschwüngen / scherenartigen Beinbewegungen zum sehr schnellen Beat der Trommeln. Insbesondere bei den ura pa’u bricht der Jubel im Auditorium bereits weit vor dem Ende der jeweiligen sechs- bis sieben-minütigen Performances aus.

 

28.07.2025: Cultural Night Two – Manihiki (Manihiki Henua) – kapa rima (action dance – oben), und 30.07.2025: Cultural Night Four – Mauke (Akatokamanava Enua) – ura pa’u (drum dance)

 

Die Cookinseln sind ein sehr christliches Land – deshalb werden die zwei Sonntage des zwölftägigen Festes den Kirchenliedern oder Hymnen (Imene) gewidmet. Die Chorgesänge (Choir – Imene Pupu, 27.07.25) und traditionelle Hymnen (Imene Tuki – 03.08.25) sind traditionelle Gesangsformen, die oft im Zusammenhang mit kirchlichen Feiern und Gottesdiensten aufgeführt werden.

 

27.07.2025: Choir Night – Imene Pupu (unverortete Gruppe – oben) und 03.08.2025: Traditional Hymns Night – Imene Tuki (unverortete Gruppe)

 

Bei den Feiern manifestiert sich die indigene Kultur über Lieder, Gesänge, farbenfrohe traditionelle Kostüme, Tänze und Tanz-Choreografien. Zur Erinnerung: Ziel der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten (Te Maeva Nui (TMN)) ist es, die kulturelle Identität und den Stolz auf den Staat zu fördern.

Premierminister Mark Brown stellt die finanziellen Mittel aus Steuergeldern bereit. Er ist an fast allen zwölf Kultur-Abenden im Nationalen Auditorium dabei und selbstverständlich sieht man ihn auch am Sonntagmorgen in der CICC-Kirche (die Cooks sind ein christlicher Staat).

Tanz-Choreografien sowie Tänzer*innen bilden mit ihren farbenfrohen und traditionellen Design-Elementen bei Kostümen und Kopfschmuck den optischen Rahmen für faszinierende Tanzshow-Impressionen.

Gesangs- und Tanz-Kompositionen basieren immer auf historischen und / oder aktuellen gesellschaftspolitischen Ereignissen. Jede der einzelnen Gesangs- und Tanzaufführungen besteht aus vier aufeinander aufbauenden Stories, die auf das Event-Thema (‚I know who I am, I have a homeland.‘) abstellen. Diese Storylines – die von den teilnehmenden Gruppen zuvor dokumentiert zu hinterlegen sind – werden vor jeder Performance auf Cook Islands Māori und auf Englisch vom Composer oder Moderator im Auditorium vorgelesen.

Besonders beeindruckend ist der Kopfschmuck der Tänzer*innen. Federkopfschmuck wurde in der prä-kolonialen und prä-christlichen Zeit bei Tänzen, im Krieg oder bei verschiedenen Zeremonien getragen. Die am meisten verbreitete Form dieses Kopfschmucks war im Grundelement ein den Kopf umspannender, aus langen Vogel- oder Hahnenfedern bestehender Halbkreis. Einige dieser Federkronen wurden auf der zweiten Reise (1772-1775) des Entdeckers James Cook gesammelt.

 

Beim ura pa’u getragener Kopfschmuck der Tänzerinnen aus Mangaia (Auau Enua, 26.07.2025, oben) und aus Aitutaki (Araura Enua, 01.08.2025)

 

Das auf allen Pazifik-Inseln seit Mitte der 1980iger Jahre zu beobachtende Revival der eigenen kulturellen Identität führt dazu, dass bei den Unabhängigkeitsfeiern der Cooks in allen Tanz-Performances Bezug auf das eigene kulturelle Erbe genommen wird.

Die indigene Kultur wird über Lieder, Gesangs-Arrangements, traditionelle Kostüme, Tänze und Tanz-Choreografien gefeiert. Das eigentliche Ziel ist es, die nuancierten Unterschiede in Sprache, Musik und Tanz der Bewohner aller Inseln auf die große Bühne zu bringen, um die kulturelle Identität und den Stolz auf den Staat zu fördern. Inselspezifische Materialien (z.B. besondere Muscheln wie ‘pupu’ auf Mangaia) sind Teil der Kostümdesigns – letztere werden von den Tänzer*innen und ihren Familien vor Ort hergestellt. Die Cook-Insulaner, die von den Inseln der Northern Group per Schiff anreisen, müssen dabei über eine ‘hochseefeste’ Verpackung sicherstellen, dass die zeitintensiv angefertigten Kostüme ‘safe and sound’ in Avarua ankommen.

 

Prachtvollen, in den Farbtönen perfekt abgestimmten Kopfschmuck und dazu passende Kostüme tragen die Tänzerinnen aus Rarotonga – Gruppe Tupapa Maraerenga (oben) und die Tänzer aus Mauke (Akatokamanava Enua) zum ura pa’u.

 

TMN-Tanz-Shows deuten an, wie traditionelle Feste in der prä-kolonialen Zeit ausgesehen haben könnten, auch wenn sich Tanzstile verändert haben: Tänzer*innen halten heute ihren Oberkörper in ruhiger Position, während die Hüften zum Rhythmus ‘schwingen’ – noch in den 1970iger Jahre bewegte sich der ganze Körper zum Rhythmus (vgl. Mason, Jean (ohne Datum)).

Es ist für den Zuschauer, der sich mit der prä-kolonialen Zeit der Polynesier beschäftigt hat, sehr interessant, Vergleiche zu ziehen zwischen den Beschreibungen von Entdeckern wie Kapitän James Cook und Begleiter Georg Forster oder Ethnologinnen wie Ingrid Heermann (vgl. Heermann, Ingrid (Hrsg., 1987)) und den Aufführungen im Auditorium. Die Performances erlauben jedenfalls dem Zuschauer, in eine Vorstellungswelt davon einzutauchen, wie Feste in der prä-kolonialen Zeit zelebriert wurden.

Wenn die Tänzer*innen nach einem mitreißenden kapa rima oder ura pa’u unter dem Jubel des Auditoriums die Bühne verlassen, sind die Gesichtszüge von Zufriedenheit, Glück und Stolz gezeichnet. Hinter der Bühne warten bereits die Familien oder Lebenspartner, um ihre Liebsten voller Stolz in die Arme zu nehmen. Um diese Eindrücke miterleben zu dürfen, muss man sich eigentlich zweiteilen können, denn einerseits ist man von der Performance und dem Jubel im Auditorium begeistert, andererseits aber möchte man auch die Tänzer*innen näher in Augenschein nehmen, um auch diese Glücksgefühle auf sich einwirken zu lassen. Glücklicherweise endet jeder Showteil mit ura pa’u-Tänzen. Wenn man schnell ist, gelingt es, beide Möglichkeiten der Impressionen, die diese Feierlichkeiten bieten können, voll wahrzunehmen.

Wie die Tänzer*innen ihre Tanz-Performances selbst würdigen und wie sie ihre Körper mit dem schnellen Rhythmus der Trommeln ‘vereinen’, möchte man liebend gerne wissen. Sehr hilfreich dazu ist eine Magisterarbeit aus Norwegen (vgl. Aasmundsen Jensen, Camilla (2012)). Die folgenden Antworten auf die Frage „Why do you dance?“ sind dieser Arbeit entnommen:

“It is in our blood to dance!”

“I love it, I can’t stop. You hear those drums and your bum just wants to move, your body wants to move. … Particularly the drums, the drums are the thing.”

“Dancing is one of the biggest ways of preserving culture. … Dance recognizes our identity, of being a Cook Islander. …The drumming, the music, everything that we have … that’s why I love it.”

“[The Cook Islands’ culture] flows within [our] veins. This is especially so for dance, which is ‘just drummed into you‘!“

“Dancing is who I am!”

 


Beim ura pa’u getragener Kopfschmuck der Tänzerinnen aus Mauke (Akatokamanava Enua, 30.07.2025, oben) und aus Rarotonga – Vaka Puaikura (29.07.2025)

 

Auch im Nationalen Auditorium werden die Tanz-Performances von einer zehn-stimmigen Jury nach definierten Kriterien bewertet. Bezogen auf die Ergebnisse der Jury-Beurteilungen werden die besten Teams am 05.08.2025 im Nationalen Auditorium geehrt – allerdings nicht mit Geldsummen oder überdimensionierten Gold-Pokalen, wie dies bspw. auf dem Heiva i Bora Bora vom Autor beobachtet werden konnte. Im Vordergrund stehen auf den Cooks die Würdigung der Kultur und die Unterstützung der Gemeinschaften, und damit geht es um Wertschätzung, Ehre und kulturelle Anerkennung. Die offiziellen Jury-Einschätzungen werden hier nicht kommentiert – es wird vielmehr auf die veröffentlichten Ranglisten verwiesen (vgl. Cook Islands News v. 06.08.2025, und Ministry of Cultural Development Cook Islands v. 07.08.2005).

Nach 14 ura pa’u-Shows kommt die Jury zu drei Gewinnern (von insgesamt neun ähnlich guten Teams): Rakahanga, Vaka Puaikura und Manihiki. Letztere dürfen ihren ura pa’u auch am Unabhängigkeitstag (04.08.2025) nochmals vor Staatsgästen aufführen. Die Jury kann es in ihrer Würdigung der ura pa’u-Shows nicht jeder Erwartung der Insulaner recht machen – aber auch der ura pa’u des Teams aus Aitutaki (Araura Enua) ist sehr gelungen.

Bereits erwähnt wurde, dass es 14 ura pa’u-Performances gibt. In Erinnerung sei noch einmal gerufen, dass zehn Teams der kleineren Cookinseln (Atiu, Aitutaki, Mangaia, Manihiki, Mauke, Mitiaro, Palmerston, Pukapuka/Nassau, Rakahanga, Penrhyn (Tongareva)), und vier Teams der Distrikte von Rarotonga (Nikao, Tupapa Maraerenga, Vaka Puaikura, Vaka Takitumu) an den sieben ‘cultural nights’ teilnehmen, und zwar jeweils mit einer Aufführung von reo tupuna / pe’e, ute, kapa rima und ura pa’u. Es werden also insgesamt 14 X 4 = 56 Performances dargeboten, was verteilt über sieben Cultural Nights acht Performances pro Abend ergibt. Ein Abend wird jeweils von einer Pause unterbrochen, so dass jeweils im ersten und im zweiten Block je ein reo tupuna / pe’e, ute, kapa rima und ura pa’u zur Aufführung kommt.

Die Favoriten des Autor bei den ura pa’u-Aufführungen:

Vaka Takitumu aus Rarotonga legt einen tollen ura pa’u „auf’s Parkett“ – die Halle tobt! Das Team Vaka Takitumu profitiert von starker lokaler Unterstützung im Auditorium, weil es aus dem östlichen / südöstlichen Rarotonga und damit aus den Distrikten Matavera, Ngatangiia und Takitumu kommt.

Die Insulaner aus Manihiki „rocken“ ebenfalls mit einem spektakulären ura pa’u die Halle. Manche Teams – wie auch das Team aus Manihiki – performen mit zwei unterschiedlichen Kostüm-Designs, während bestimmte Tänzer*innen anderer Teams sich zurück- und schnell hinter der Bühne umziehen. Natürlich bewertet die Jury auch die Kostüme.

 

Tänzer*innen der favorisierten ura pa’u-Teams des Autors aus Rarotonga – Vaka Takitumu (30.07.2025, oben) und aus Manihiki (Manihiki Henua, 31.07.2025)

 

Wer sich detailliert in die traditionellen Tänze der Cook-Insulaner einlesen möchte, dem sei ein ausführlicher Aufsatz zum Thema empfohlen (vgl. Jonassen, Jon Tikivanotau M. (2015)). Wer noch tiefer in die Performances des TMN eintauchen möchte, sei darauf hingewiesen, dass Cook Islands Television (CITV) jede Cultural Night live übertragen hat. Deshalb lassen sich auch auf Youtube die kompletten Kulturabende abrufen, bei deren Ansicht es aber etwas langatmig sein kann, die Pausen zwischen den einzelnen Performances zu überbrücken (auf Youtube-Videos erscheint dann – temporär – ein schwarzes Bild – häufig für längere Zeitspannen). Hier ein Abruf-Beispiel: Youtube: Te Maeva Nui 2025 – Cultural Performance (Saturday 26th July) (3:14:21)

 

5. Würdigung des zweiwöchigen Aufenthalts in Avarua

Der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit wird mit wahrer Lebensfreude im Juli / August 2025 auf den Cooks gefeiert – die Feierlichkeiten sind an allen Tagen eine Offenbarung von künstlerischem Talent, großer Lebensfreude und Stolz auf Traditionen. An zwölf aufeinanderfolgenden Tagen genießt der Autor Gesangs- und Tanzshows im jeweils randvollen Nationalen Auditorium im ‘Hauptstadtdorf’ Avarua. Jeder dieser Abende bietet

  • unvergessliche Gesangs- und Tanzdarstellungen,
  • nachhaltig haften bleibende Impressionen zur Kultur der Cookinseln und zur optimistischen Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Insulaner,
  • ein neues Musikverständnis (der Autor wusste gar nicht, dass man noch schneller zu einem Rhythmus tanzen kann als zum Rock’n’Roll),
  • Erfahrungen zum Leben im ‘Hauptstadtdorf’ Avarua.

Das Fazit des 14-tägigen Aufenthalts im ‘Hauptstadtdorf’ Avarua möchte der Autor wie folgt darstellen:

Avarua ist sehr ruhig, denn abends, nachdem die Geschäfte schließen (tgl. ab 16 Uhr) und am Wochenende (Kirchgänge) sind die Straßen wie leergefegt.

Vieles erinnert an das samoanische Apia aus den frühen 1980er Jahren – wenn man gedanklich die vielen SUVs aus dem Straßenverkehr streicht.

Avarua bietet ein großes Sicherheitsgefühl – auch dann, wenn man abends zwischen 22:15 und 23:00 Uhr – in fast völliger Dunkelheit – gut 30 Min. zu Fuß vom Nationalen Auditorium zurück in seine Wohnung unterwegs ist. Das einzig Störende bei diesen Fußmärschen sind die dauernd mit Gebell auf einen zulaufenden Hunde entlang des Weges.

Sein ‘Basiscamp’ hat der Autor in einer privat geführten Unterkunft aufgeschlagen, dem ‘Avarua Escape’. In dem großen Haus auf einem 2.000 qm Grundstück hat er für zwei Wochen eines von zwei Apartments mit Selbstverpflegung angemietet. Zwei größere Supermärkte in Fußläufigkeit (Prime Foods und CITC Foodland) machen die Versorgung mit Lebensmitteln bequem. Das Quartier ist äußerst angenehm, auch das ‘Office of the Prime Minister’ ist in der Nachbarschaft verortet.

 

Das Avarua Escape (oben) und das zu Fuß etwa 250m entfernte ‘Office of the Prime Minister’

 

Der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit (04.08.2025) wird groß gefeiert – es gibt eine lange Liste an Staatsgästen. Deutschland ist nicht direkt dabei, wird aber vertreten durch die EU. Neben den Premierministern der Nachbarländer Niue, Tonga, Tuvalu sowie dem Präsidenten von Französisch Polynesien und dem Vize-Präsidenten der Föderierten Staaten von Mikronesien sind die Regierungen von Neuseeland und Australien durch ihre auf den Cooks residierenden High Commissioners vertreten. 37 Länder sind durch Minister, Botschafter oder Sondergesandte vor Ort vertreten, bspw. die USA, Kanada, Frankreich, Italien, die EU, die Türkei, Kuwait, Saudi-Arabien, China, Japan …

Premierminister Mark Brown hält im Nationalen Auditorium eine 75-minütige Rede, in der er ausgehend von der ‘langen Reise’ der Cook-Insulaner und den Beziehungen mit Aotearoa Neuseeland die wirtschaftliche Transformation der Cookinseln und die Herausforderungen „für die nächsten 60 Jahre“ adressiert (vgl. Office of the Prime Minister v. 04.08.2025).

Nach der Rede von Premier Brown überreichen die Chiefs aller zwölf bewohnten Inseln traditionelle Geschenke an die drei wichtigsten anwesenden Politiker, und zwar an den die englische Krone und damit König Charles III vertretenden ‘His Excellency the King’s Representative’, Sir Tom Marsters, an die ranghöchste Vertreterin Neuseelands, ‘Her Excellency the Governor-General of Aotearoa New Zealand’, Dame Cindy Kiro, und an Premierminister Mark Brown. Neben großen geflochtenen Matten werden bspw. auch ganze Schweine in aus Palmblättern geflochtenen Körben und traditionelle Steinbeile (toki) – aus Mangaia – überreicht.

 

Am Unabhängigkeitstag (04.08.2025) finden sich reichlich Ehrengäste ein (oben), um der Unabhängigkeitszeremonie und der Rede von Premierminister Brown beizuwohnen. Alle 2.000 Besucher im Auditorium schauen zu, wie die wichtigsten Politiker traditionell beschenkt werden, u.a. mit einem ganzen Schwein.

 

Nach dem offiziellen Teil stehen für alle Gäste und Teilnehmer der Zeremonie eine XXL-Geburtstagstorte und ein Buffet bereit – selbst für die gerne und viel essenden Insulaner wird Essen im Überfluss angeboten (help yourself!).

 

Premierminister Mark Brown lässt sich von Minister für kulturelle Entwicklung, Hon. George Maggie Angene, ein Stück der wirklich beeindruckend großen Geburtstagstorte abschneiden (oben). Derweil bedienen sich die hungrigsten unter den Hunderten von Gästen am Buffet.

 

Der finale Tag der Feierlichkeiten im Auditorium ist für die Ehrung der besten Teams reserviert (05.08.2025). Danach erhellt ein scheinbar nicht enden wollendes Feuerwerk ab 20 Uhr den Nachthimmel über Avarua. Erst als die letzte Rakete im Sternenhimmel verglüht ist, kommt es zu dem bereits für 18 Uhr angekündigten Abschlusskonzert: Der Staat sagt „Danke“ (Meitaki oder Imene Mai) mit dem größten Konzert an Jazz-, Pacifica-, Reggae- und Rockmusik, das es je auf den Cooks gegeben hat!

 

Fireworks, die vom gegenüber dem Auditorium gelegenen Victoria Park gezündet werden, signalisieren, dass die Zeit der unbeschwerten Feierlichkeiten dem Ende entgegen geht (oben). Danach wird noch ein letztes Mal das Auditorium ‘gerockt’, dieses Mal aber im wahrsten Sinne des Wortes – Jazz-, Pacifica-, Reggae- und Rockmusik (Bildquelle: Heimana Music and the Ministry of Cultural Development v. 18.07.2025)

 

Dass soll es jetzt aber endlich gewesen sein mit dem Bericht über das Te Maeva Nui 2025 auf den Cookinseln – oder etwa nicht?

Nein, denn leider folgt auf die Feiern die raue Welt der Politik – die ‘Independence Day celebrations’ finden in turbulenten Zeiten statt. Neuseeland ärgert sich über ‘unabgestimmte’ Verträge, die Premierminister Mark Brown im Februar 2025 mit China schließt (s. u.). Deshalb kommen der neuseeländische Premierminister Christopher Luxon und Außenminister Winston Peters nicht zu den Unabhängigkeitsfeiern der Cooks. Bei den Unabhängigkeitsfeiern zum 50. Jahrestag (2015) waren jedoch der Premierminister und der Außenminister Neuseelands dabei. Es ‘knistert’ in den Beziehungen beider Länder erheblich, auch wenn Premierminister Brown in seiner Rede am Unabhängigkeitstag jeglichen „talk of ‘strategic shift’ in Cook Islands – New Zealand relationship“ verwirft.

Mit Blick auf das umstrittene Deep Sea Mining können die ‘Schätze des Meeres’ (Manganknollen, Kobalt, Kupfer und Nickel) die Sinne der nachhaltigen Vernunft eintrüben. Während Premierminister Brown im Februar 2025 Verträge mit China zu Wirtschaft, Infrastruktur, maritimer Zusammenarbeit und Tiefseebergbau abgeschlossen hat, artikuliert sich auf Rarotonga bereits eine Protestbewegung gegen Tiefseebergbau. Auf die spannende Frage, welches Fazit politisch aus dieser Missstimmung abgeleitet werden kann, bezieht die Pazifik-Infostelle in äußerst ernüchternder Art und Weise mit Blick auf die brutale Realität der Selbständigkeit und der nachhaltigen Überlebenschancen kleiner Pazifikstaaten Stellung (vgl. Pazifik-Infostelle v. 12.08.2025):

„Es bleibt die generelle Frage, inwiefern kleine Inselstaaten es überhaupt schaffen können, eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen.“

Dem Autor liegt es an dieser Stelle sehr am Herzen, einen Wunsch zu artikulieren: „Möge der schnelle Beat der Trommler der Cookinseln noch viele Generationen erfreuen! Möge die ausgelassene Lebensfreude und die Gastfreundschaft der Cook-Insulaner noch bei möglichst vielen Reisenden die Erkenntnis reifen lassen, das viele Lebenswege nach Rom führen können.“

 

6. Fazit und Würdigung des TMN durch Cook-Insulaner

Die Leser*innen dieses Artikels sind mit Sicherheit erstaunt über die Länge der Ausarbeitung und einige mögen vielleicht auch denken, dass man den Inhalt hätte pointierter und stark gekürzt verfassen sollen. Der Autor hat sich bewusst gegen den ‘short and punchy’-Ansatz entschieden. Die Gründe für Ausführlichkeit sind vielfältiger Natur und umfassen Aspekte wie

  • die Natürlichkeit der Feierlichkeiten auf den Cooks (bspw. im Vergleich zu den Heiva-Feiern auf den Society Islands), die Annahme, dass einem TMN dieser Dimension wohl nur alle zehn Jahre beizuwohnen ist – also nur an den ‘runden’ Unabhängigkeitstagen,
  • die ‘natürliche’ menschliche Freude der Tänzer*innen über das Geleistete,
  • die Tatsache, dass diese Art der Performances den wichtigsten Transmissionsriemen im Übergang der Traditionen von Älteren auf Jüngere darstellt, und nicht zuletzt auch die
  • die langjährige Südpazifik-Reiseerfahrung des Autors.

Den Lesern werden die Herausforderungen eines kleinen Staates vor Augen geführt, dessen Ziel es ist, möglichst viele Insulaner von in einem großen Pazifikgebiet verstreuten Inseln für das TMN einzuschiffen. Stolz verkündet Emile Kairua, Chairman of the Te Maeva Nui 2025 am 20.07.2025 (vgl. RNZ v. 21.07.2025): “For the first time in a long time, we are able to bring all our people together for a long-awaited reunion. … Basically, the [outer] islands have been emptied out.”

Nach Berechnungen des Autors hat die Regierung es tatsächlich mit den von ihnen gecharterten zwei Transportschiffen aus Tonga und Tuvalu geschafft, von den geringer bevölkerten Inseln Palmerston, Pukapuka, Nassau und Rakahanga jeweils knapp zwei Drittel aller Insulaner zur TMN-Teilnahme in Avarua einzuschiffen. Chapeau!

Der Fokus der Politiker auf das Ziel, eine Unabhängigkeitsfeier gemeinsam auch mit den Insulanern der äußern Inseln (Pa Enua) zu feiern, und die Umsetzungsanstrengungen sind es wert, sich hier und jetzt für ‘standing ovations’ zu erheben, denn man muss nur einen Kommentar aus den Cook Islands News lesen, um die Tragweite dieser Maßnahme zu verstehen (vgl. Cook Islands News v. 25.07.2025):

„Te Maeva Nui 2025 promises to be one of the most heartfelt celebrations yet, a powerful homecoming for many. This year, we open our arms to welcome back our families from Te Pa Enua and from across the diaspora, especially those who have been away in New Zealand, Australia, and beyond. After years of distance, this reunion will be more than just a celebration – it will be a reconnection of spirit, of culture, of aro‘a (love). Each performance, each beat of the pate, each note sung will carry the weight of our shared journeys and the joy of returning home.”

Niemand kann diesen emotionalen und sehr weisen Worten, die am Morgen des ersten Tages der Feierlichkeiten veröffentlicht wurden, einen noch passenderen Schlusssatz hinzufügen.

In der Einleitung zu diesem Artikel steht folgender Satz, der den Kern aller Botschaften zum TMN 2025 bildet: Aus staatlicher Sicht ist es das Ziel der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten, die kulturelle Identität und den Stolz auf den Staat zu fördern.

Man möchte ergänzen, dass sich der Staat bei diesem Ziel auch auf die Unterstützung der nationalen Medienlandschaft verlassen kann. Eine Suche auf der Homepage der Cook Islands News nach dem Stichwort ‘Te Maeva Nui 2025’ (vgl. Cook Islands News v. 04.02.2026) liefert emotionale Presseschlagzeilen, mit denen kein Besucher der Cooks diesen Aufsatz besser und vollumfänglich durchtränkt mit Nationalstolz beschreiben könnte. Die Empfehlung des Autors: Greifen Sie jetzt zu einem Gläschen Rotwein und lassen Sie sich von den – nun aber wirklich – abschließenden Artikel-Headern und Kommentaren emotional berühren.

 

Header

  • Cook Islands News v. 28.07.2025: Te Maeva Nui opens with electrifying performances at first cultural night
  • Cook Islands News v. 30.07.2025: Te Maeva Nui stage shines with tradition, tribute, and talent
  • Cook Islands News v. 05.08.2025: Te Maeva Nui 2025 showcases the heart of the Cook Islands

 

Kommentare

  • “Te Maeva Nui is more than just a festival, it’s the beating heart of Cook Islands cultural pride. … This week-long event is a powerful expression of who we are as a people.
  • Through vibrant performances of song and dance, intricate handicrafts, the rhythms of drumming and chanting, and the unforgettable tastes of our traditional foods, Te Maeva Nui tells the living story of our heritage, resilience, and shared identity. This festival is a moment to honour our tūpuna (ancestors), to celebrate our present, and to inspire the generations to come. It’s a time when the mana of our culture is felt deeply in every home, every village, every performance.
  • This year’s theme is one of reconnection and revival. Young and old, near and far are joining in celebrating the unbreakable bond we share as Cook Islanders. Let this Te Maeva Nui remind us of who we are, where we come from, and how strong we are when we stand together.
  • The islands are alive with the sound of music, laughter and drums. Boats have arrived laden with people and fresh fruit and fish. Te Maeva Nui celebrations have begun and 60 years of independence is rejoiced in hip shaking, knee swaying colour.”

 

Das finale Schlusswort gebührt Premierminister Mark Brown – hier dargestellt in Zitatform

  • v. 04.08.2025: Our Te peu Māori – our culture – is a living system of knowledge, values, and identity.
  • v. 04.08.2025: Te Maeva Nui may now come to a close, but the heartbeat of our people beats stronger than ever.

 

Reise-Hinweis: Für das Te Maeva Nui 2026 wurde anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Institution ‘House of Ariki’ (03.07.1966) das Thema ‘Taku Ui Ariki – My Ariki – my immovable foundation’ für die Unabhängigkeitsfeiern festgelegt. Die TMN-Feierlichkeiten werden am letzten Freitag im Juli beginnen (31.07.2026) und enden am 04. oder 05.08.2026 (vgl. Cook Islands News v. 15.01.2026).

 

© Text & Bilder: der Autor; Alle Inhalte, insbesondere Texte & Fotos, sind urheberrechtlich geschützt.

 


Quellen nach Kapitel

1. Einleitung

2. Cook Inseln Einführung

3.  Die Bestandteile des TMN

4. Die sieben Cultural Nights der Unabhängigkeitsfeiern

5. Würdigung des zweiwöchigen Aufenthalts in Avarua

6. Fazit und Würdigung des TMN durch Cook-Insulaner

 

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