Sie sind sanft, langsam und nur schwer zu finden. Genau das macht eine Begegnung mit einem Dugong zu einem der stillen Höhepunkte jeder Pazifikreise. Die scheuen Meeressäuger verbringen ihr Leben in flachen, warmen Küstengewässern, weiden gemächlich auf Seegraswiesen und tauchen nur kurz an die Oberfläche, um Luft zu holen. Ob beim Schnorcheln in Vanuatu oder an einem der einsamen Pazifikriffe, wer die Dugongs im offenen Wasser erlebt, wird diesen Moment nicht so schnell vergessen.

Der Dugong Steckbrief
- Name: Dugong
- Deutscher Name: Seekuh
- Lateinischer Name: Dugong dugon
- Klasse: Säugetiere
- Ordnung: Sirenia (Seekühe)
- Familie: Dugongidae
- Größe: 2,5 – 3 m
- Gewicht: 200 – 400 kg
- Maximales Alter: bis zu 70 Jahre
- Aussehen: stromlinienförmiger Körper, glatte graubraune Haut, breite rüsselartige Schnauze, gegabelte Schwanzflosse (ähnlich Walen)
- Ernährung: Pflanzenfresser (herbivor), ernährt sich fast ausschließlich von Seegras
- Verbreitung: Indischer Ozean, westlicher Pazifik, Rotes Meer, von der Ostküste Afrikas bis Vanuatu und den Küsten Australiens (vier Unterarten)
- Lebensraum: Flache Küstengewässer, Lagunen, Seegraswiesen
- Natürliche Feinde: Haie, Orcas, Salzwasserkrokodile
- Tragzeit: ca. 13 – 14 Monate
- Wurfgröße: 1 Jungtier
- Zwischengeburtenabstand: 3 – 7 Jahre
- Sozialverhalten: meist Einzelgänger oder kleine Gruppen, gelegentlich größere Herden
- Schutzstatus: Gefährdet (IUCN: Vulnerable), geschützt unter CITES Anhang I

20 wissenswerte Fakten über den Dugong
» Der Dugong ist das einzige streng pflanzenfressende Meeressäugetier der Welt. Während Wale und Delfine Fische jagen, weiden Dugongs auf Seegraswiesen. Dabei sind sie ruhig, geduldig und gründlich, ja sie scheinen geradezu gewissenhaft.
» Ein ausgewachsener Dugong frisst bis zu 40 Kilogramm Seegras pro Tag. Er arbeitet sich mit seiner breiten, fleischigen Schnauze durch den Meeresboden und hinterlässt dabei charakteristische Furchen, die aus der Vogelperspektive sichtbar sind.
» Der Name Dugong stammt aus dem Malaiischen: „Duyung” bedeutet so viel wie „Herrin des Meeres” oder „Nixe”. Er ist ein Hinweis darauf, dass Dugongs seit Jahrhunderten in der Mythologie pazifischer und asiatischer Kulturen eine Rolle spielen.
» Dugongs gelten als eine der Inspirationen für den Meerjungfrauen-Mythos. Seefahrer, die nach langen Monaten auf See erschöpft und verdurstend einen Dugong an der Wasseroberfläche sahen, sollen darin menschliche Züge erkannt haben.
» Obwohl sie im Meer leben, sind Dugongs eng mit Elefanten verwandt. Beide stammen von gemeinsamen Landsäugetieren ab, die vor rund 60 Millionen Jahren die Tethys-Ur-See besiedelten. Die Gemeinsamkeiten zeigen sich unter anderem in der Struktur der Zähne und Knochen.
» Dugongs können bis zu 70 Jahre alt werden, womit sie zu den langlebigsten Meeressäugetieren gehören. Das Alter lässt sich, ähnlich wie bei Bäumen, an den Wachstumsringen der Stoßzähne ablesen.
» Männliche Dugongs entwickeln mit zunehmendem Alter kurze Stoßzähne, die durch die Oberlippe nach außen ragen. Diese dienen vor allem als Statussymbol und Waffe bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen, sie werden aber nicht zur Jagd eingesetzt, wie manchmal fälschlich angenommen wird.
» Dugongs atmen Luft und können bis zu sechs Minuten unter Wasser tauchen. In Ruheposition bleiben sie sogar noch etwas länger unter der Oberfläche, vor allem beim Schlafen. Dazu sinken sie auf den sandigen Meeresgrund, tauchen aber alle 6 bis 15 Minuten auf, um Luft zu holen.
» Ihre Schwanzflosse ist gegabelt wie bei Walen und ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber den nah verwandten Manatis, deren Schwanz rund und paddelförmig ist. Dugongs und Manatis sind zwar beide Sirenia, gehören aber unterschiedlichen Familien an.
» Die Dugongidae-Familie hatte einst zwei Mitglieder, den Dugong und die Stellersche Seekuh, mit einer beeindruckenden Länge von bis zu 8 Metern. Die Stellersche Seekuh wurde nur 27 Jahre nach ihrer wissenschaftlichen Entdeckung, im Jahr 1768, durch den Menschen ausgerottet.

» Australien beherbergt die größte Dugong-Population der Welt. Rund 85.000 Tiere leben allein in der Shark Bay in Westaustralien, einem UNESCO-Weltnaturerbe. Der weltweite Bestand wird auf insgesamt rund 100.000 Tiere geschätzt.
» Vanuatu ist einer der besten Orte, um die pazifische Seekuh in freier Wildbahn zu erleben. Die flachen Lagunen und gut erhaltenen Seegraswiesen rund um verschiedene Inseln des Archipels bieten ideale Lebensbedingungen für die Tiere.
» Dugongs sind keine schnellen Schwimmer. Ihre Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 5 bis 10 Kilometern pro Stunde. Nur wenn sie sich bedroht fühlen, können sie kurzzeitig auf bis zu 22 km/h beschleunigen.
» Sie kommunizieren auf eine überraschend vielfältige Weise mit Zirplauten, Pfeifen und bellenden Lauten. Die genaue Bedeutung der verschiedenen Laute wird noch erforscht.
» Dugongs sind kulturell tief in den Gemeinschaften vieler pazifischer Inselvölker verwurzelt. In Teilen Melanesiens und Australiens gelten sie als spirituell bedeutsam. Jagdrechte und Schutzregeln werden traditionell innerhalb der indigenen Gemeinschaften weitergegeben.
» Weibchen bringen nur sehr selten Nachwuchs zur Welt, nämlich etwa ein Jungtier alle drei bis sieben Jahre. Diese extrem niedrige Reproduktionsrate macht den Dugong besonders anfällig für Umweltfaktoren und bedroht die Populationen erheblich.
» Ein neugeborener Dugong ist bereits gut einen Meter lang und bleibt bis zu zwei Jahre eng bei der Mutter. In dieser Zeit lernt es unter anderem, wo die besten Seegraswiesen liegen. Forscher konnten nachweisen, dass Dugongs dieses Wissen von Generation zu Generation übermitteln.
» Die größten Bedrohungen für den Dugong sind Lebensraumverlust durch Seegrasrückgang, Beifang in Fischernetzen, Bootsunfälle sowie Wasserverschmutzung. Da Seegraswiesen auf Wasserqualität extrem sensibel reagieren, wirkt sich Küstenentwicklung direkt auf die Nahrungsgrundlage der Tiere aus.
» Dugongs sind nachts aktiver als tagsüber und fressen häufig in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung. Wer sie auf einer Schnorchel- oder Tauchausfahrt sehen möchte, hat bei ruhigem Wasser und guter Sicht die besten Chancen.
» Seit 1981 steht der Dugong unter internationalem Schutz, was den kommerziellen Handel mit Dugong-Produkten weltweit verbietet. In vielen Ländern, darunter Australien und Vanuatu, genießen Dugongs zusätzlichen nationalen Schutzstatus.

Dugong Seekuh in Vanuatu erleben
Wer die Faszination des Dugongs hautnah erleben möchte, ist in Vanuatu genau richtig, zum Beispiel im Rahmen einer Kreuzfahrt durch Melanesien. Die Tiere sind scheu und man muss behutsam vorgehen, um sie in freier Wildbahn nicht zu verscheuchen. Die intakten Riffe und Lagunen des Archipels bieten ideale Bedingungen für eine Begegnung mit den Tieren. Spätestens, wenn ein Dugong langsam und unbeeindruckt an einem vorbeizieht, schafft man eine bleibende Erinnerung.


